Die Ich-AG ist ein Auslaufmodell. Dieses Förderinstrument für arbeitslose Existenzgründer wird Ende Juni 2006 weggelegt werden. Ich-AGs waren von vielen Fachverbänden kritisiert worden. So attestierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vielen Firmengründern mangelnde unternehmerische Kenntnisse und kritisierte die "Subventionsmentalität" der Antragsteller. Die jüngste Studie der KFW Bankengruppe und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung kommt zu der Einschätzung, daß Unternehmensgründungen von Arbeitslosen weitaus weniger neue Jobs schaffen als andere Firmengründungen.

"In Berlin förderte die Regionaldirektion im November 16 796 Ich-AGs, im Januar diesen Jahres waren es noch 18 920", so der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, Klaus Pohl. Genaue Analysen, warum die Anzahl um mehr als 2000 abgenommen hat, gibt es nicht. Pohl nennt drei mögliche Ursachen: "Zum einen gibt es diejenigen, die wieder Arbeit haben. Die zweite Gruppe umfaßt Ich-AGs, die aus der Förderung herausfallen, weil sie mehr als 25 000 Euro im Jahr erzielen." Zur dritten Gruppe zählten diejenigen, die mit ihrer Existenzgründung gescheitert seien.

In diesem Jahr bewilligte die Arbeitsagentur bisher 5985 Ich-AGs. "Das sind weniger als im vergangenen Jahr", so Pohl. Dafür gebe es zwei Gründe: 2004 hätten mehr Arbeitslose eine Ich-AG gegründet, um noch vor Einführung der Hartz-IV-Regelung in den Genuß der Förderung zu kommen. Diese beträgt im ersten Jahr 600 Euro pro Monat, im zweiten Jahr 360 Euro und im dritten 240 Euro. Seit Januar bekommen jedoch nur noch Empfänger von Arbeitslosengeld I Zuschüsse für die Ich-AG.

Einen weiteren Rückgang der Anträge verzeichnet die Arbeitsagentur seit Oktober. Pohl: "Seitdem haben sich die Bedingungen für die Bewilligung einer Ich-AG verschärft." Existenzgründer müssen inzwischen eine Tragfähigkeitsprüfung vorlegen, die durch Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, berufsständische Fachverbände oder Kreditinstitute geprüft wurde. Mit dieser neuen Hürde soll das Risiko vermindert werden, daß Existenzgründer mit ihrer Ich-AG scheitern.

Bis Juni 2006 können sich Firmengründer noch nach derzeitigen Bedingungen als Ich-AG selbständig machen. Im Juli soll ein neues Gesetz die Förderung der Existenzgründungen regeln. So sollen Vorgaben für Ich-AG und Überbrückungsgeld zu einem neuen Katalog zusammenschmelzen.