Keine Bedenken gegen Ausstellung

Die katholischen St.-Hedwig-Gemeinde hat jetzt die Verhandlungen mit dem Bund der Vertriebenen (BdV) über ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in ihrer Kirche St. Michael in Mitte offiziell abgebrochen. Das gab gestern der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Dompfarrer Alfons Kluck, bekannt. Die Entscheidung sei schon vorige Woche bei einem Gespräch mit Kardinal Georg Sterzinsky gefallen. Der Erzbischof hatte am Montag erklärt, daß er wegen des fehlenden gesellschaftlichen Konsenses einer Ansiedlung des Zentrums in einer Kirche nicht zustimmen werde. "Ein Kirchenvorstand, der sich gegen das Bistum stellt, ist schlecht beraten", sagte dazu Pfarrer Kluck.

Inhaltlich hat der Kirchenvorstand indes keine Bedenken gegen das Vertriebenenzentrum. "Jede Vertreibung ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht", sagte Kluck, der darauf verwies, daß er nach dem Zweiten Weltkrieg selbst aus einem Ort im heutigen Polen ausgesiedelt wurde. Zur Aufarbeitung gehörten Erinnern und Gedenken, was jedoch "stets im Geiste des Friedens und Versöhnung erfolgen muß". Er sei davon überzeugt, daß die Repräsentanten der Stiftung für das "Zentrum gegen Vertreibungen", Peter Glotz (SPD) und Erika Steinbach (CDU), in diesem Sinne denken und handeln würden.

Laut Kluck wird mit dem BdV bereits seit März 2004 über einen Erbbaurechtsvertrag zur Nutzung von Teilen der Kirche verhandelt, die nicht für den Gottesdienst benötigt werden. Dazu zählen das zerstörte Längsschiff sowie zwei Wohnungen und ein Büro in einem nach dem Krieg errichteten Flachbau. Diese Räume stehen auch für die vom BdV geplante Ausstellung "Das Jahrhundert der Vertreibungen" zur Verfügung, über die - trotz der aktuellen Entscheidung gegen das Vertriebenenzentrum - weiterverhandelt werden soll. Über den Mietvertrag, der seit Montag im Entwurf vorliegt, will Kluck auf der nächsten Vorstandssitzung sprechen. Beginn der Ausstellung, die von Experten als Vorstufe zu einem Vertriebenenzentrum angesehen wird, soll Ende 2006 sein. Ihre Dauer wird mit Option auf Verlängerung auf zwei Jahre befristet. Voraussetzung sei aber auch dafür die Genehmigung durch das Erzbischöfliche Ordinariat, so Kluck.