Stellenabbau

Musikschullehrer werden reihenweise entlassen

Unruhe und Unsicherheit sind in der Musikschule Marzahn-Hellersdorf ausgebrochen. Die mehr als 60 Honorarkräfte haben zum 30. September 2009 eine Kündigung ihrer Verträge erhalten.

Der Förderverein der Musikschule kritisiert, dass Eltern und Schüler darüber nicht informiert wurden. Für die freiberuflichen Lehrer sei die Kündigung überraschend und ohne Angabe von Gründen in der letzten Augustwoche gekommen, sagt die Vorsitzende des Fördervereins, Susanne Vulturius.

Die Leiterin des Amtes für Bildung und Kultur, Esther Drusche, bestätigte die Kündigungen. Den Musikpädagogen sei jedoch gleichzeitig angeboten worden, dass sie sich um Anschlussverträge zum 1. Oktober 2009 bemühen könnten. "Fast alle haben das bereits getan", so Drusche. Der Unterricht werde nicht beeinträchtigt, das Angebot der Musikschule nicht verringert. Auch die Honorare sollen sich nicht ändern.

Hintergrund des Vorgehens ist nach Auskunft der Amtsleiterin, dass es im Herbst Umstrukturierungen in der Einrichtung geben soll. "Wir haben die kleinste Musikschule in allen Berliner Bezirken und kämpfen ums Überleben", sagt Esther Drusche. Die Musikschule hat derzeit nur 850 Schüler, viel weniger als die Schulen der anderen Bezirke. Zum Vergleich: Die Einrichtung in Pankow hat etwa 4000 Musikschüler, in Neukölln sind es etwa 3500.

In Marzahn-Hellersdorf sollen nun neue Schüler geworben werden. Dies soll durch ein erweitertes Angebot für Kitas und Grundschulen und durch Werbung für den Unterricht geschehen. "In vielen Neubaugebieten ist nicht bekannt, dass es die Musikschule gibt", so die Amtsleiterin weiter. Ziel sei, dass jedes Kind in den Kitas und Grundschulen des Bezirks die Möglichkeit bekomme, an der musikalischen Früherziehung oder am Unterricht teilzunehmen. Um auf das Angebot der Musikschule aufmerksam zu machen, solle es eine Kooperation mit den Einrichtungen geben. "Wir wollen die Honorarkräfte in diese Entwicklung einbeziehen", sagt Amtsleiterin Drusche. "Ihre Ideen und Vorschläge sind gefragt."

Doch noch habe keiner der Musikpädagogen einen Anschlussvertrag bekommen, sagt die Fördervereinsvorsitzende Vulturius. Die Ängste unter den freiberuflichen Lehrern seien deshalb groß. "Denn sie können jetzt an keiner anderen Einrichtung unterkommen, weil das Schuljahr bereits begonnen hat." Zwar seien die Kündigungen rechtlich nicht anzufechten, dennoch solle das Amt sie zurückziehen, schlägt Vulturius vor. "Denn das ist kein guter Umgang mit Mitarbeitern." In einem Bezirk, der durch vernachlässigte Kinder und das Hilfsprojekt "Arche" bekannt geworden sei, dürfe nicht an der musikalischen Ausbildung gespart werden.

Auch in Pankow drohen Einschnitte in der Arbeit der Musikschule. Einem Bezirksamtsbeschluss zufolge sollen 2010 und 2011 im Bereich Bildung und Kultur etwa 1,25 Millionen Euro gespart werden. Ein Teil der Vorgabe könnte über höhere Gebühren erfüllt werden. Um die Einsparsumme komplett zu erreichen, müssten mehr als 20 Mitarbeiterstellen gestrichen werden, vor allem an der Musikschule und in den Bibliotheken. Im September sollen die Einsparvorschläge diskutiert werden.