Die Startkapazität des BBI werde nach Gesprächen mit wichtigen Fluggesellschaften erweitert, erläuterte Flughafenchef Rainer Schwarz. So soll es zum Beispiel 80 statt 60 Abstellpositionen für Jets geben. Damit mehr Flugzeuge abgefertigt werden können, sind am Terminal drei statt zwei Rollgassen geplant. Um das Umsteigen zu verbessern, soll eine zusätzliche Zwischenebene in das Fluggastgebäude eingezogen werden. Zudem sollen Lärmschutzinvestitionen für Anwohner auf 140 Millionen Euro aufgestockt werden.
Außerdem steht die Finanzierung von Berlins neuem Großflughafen. Die Flughafengesellschaft hat mit acht Banken Kreditverträge über eine Summe von 2,4 Milliarden Euro abgeschlossen.
Damit hat das Flughafenprojekt, das als größtes Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands gilt, eine der letzten großen Hürden genommen. "Mit der Finanzierung ist nun sichergestellt, dass der Eröffnungstermin Anfang November 2011 zu halten ist", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zugleich Aufsichtsratvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, gestern. Mit der Finanzierung sei "ein riesiger Schritt für die Realisierung des BBI getan".
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, die Region sei mit dem BBI "gut aufgestellt". 80 Prozent der bisher vergebenen Aufträge seien an Firmen in der Region gegangen.
Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht in dem "größten Investprojekt Deutschlands" eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes. "Das ist ein einzigartiges Pfund, mit dem wir wuchern werden." Die Finanzierung nannte er die "schwierigste Last, die zu heben war". Dass das gelungen sei, bringe das Projekt einen "Riesenschritt" voran.
Größter Kreditgeber für das BBI-Projekt ist die Europäische Investitionsbank (EIB), die sich mit einer Summe von einer Milliarde Euro beteiligt. Jeweils 310 Millionen Euro steuern die KfW IPEX-Bank, die Investitionsbank des Landes Brandenburg sowie die Investitionsbank Berlin bei. Mit jeweils 150 Millionen Euro beteiligen sich die Landesbank Berlin und die Norddeutsche Landesbank. Die DZ Bank gibt 100 Millionen Euro und die Berliner Volksbank 70 Millionen Euro. "Es wurde auch langsam Zeit", räumte Flughafenchef Rainer Schwarz gestern erleichtert ein. "Das Experiment, ohne Fremdmittel zu bauen" sei jetzt beendet.
Überfällig war die Finanzierung längst. Aufgrund der ständigen Nachbesserungen und Nachjustierungen bei der Flughafenplanung wegen veränderter Passagierprognosen und Forderungen von Airlines wurde der sogenannte Financial Close immer wieder verschoben. Nicht zuletzt wegen der Bankenkrise und damit verbundener höherer Zinsforderungen der Banken hing bereits das Damoklesschwert der Zahlungsunfähigkeit über der Flughafengesellschaft.
Ohne 100-prozentige Bund-Länder-Bürgschaften sei die Finanzierung gar nicht möglich gewesen, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der KFW IPEX-Bank, Ulrich Schröder. Und selbst mit der Garantie sei es nicht einfach gewesen. "Das lag nicht an der Bonität des Projekts, sondern an den langen Laufzeiten", so Schröder. Diese würden die Banken aus eigener Unsicherheit, sich nicht über Wasser halten zu können, nicht gern übernehmen. Insofern sei es "bemerkenswert", dass die Finanzierung geklappt habe und auch private Banken wie die DZ Bank und die Volksbank mit ins Boot geholt werden konnten. Die Europäische Investitionsbank gewährt ihre Tranchen mit einer Laufzeit von 25 Jahren, die sieben anderen Banken geben zehn Jahre. Über die Zinskonditionen wurde gestern Stillschweigen gewahrt. Flughafenchef Schwarz aber versicherte, dass die Finanzierungskonditionen von der Flughafengesellschaft gedeckt würden, ohne die Gesellschafter in Anspruch nehmen zu müssen. Das sehe der Businessplan vor.
Die Grünen kritisierten den Abschluss der Kreditverträge gestern als "eine Rechnung mit vielen Unbekannten". Sie erwarten nach der Sommerpause die Vorlage eines detaillierten Finanzierungsplans für das BBI-Projekt.

