Künftig darf der Absolvent des Potsdamer Abraham-Geiger-Kollegs als Vorbeter zusammen mit dem Rabbiner Gottesdienste halten. Dass er der erste Kantor nach 1945 ist, der in Deutschland ausgebildet wurde, erfüllt Juval Porat mit Stolz. "Die heutige Ordination zeigt, wie vielschichtig die deutsche Gesellschaft mittlerweile ist", sagt der 31-Jährige.

Neben Porat werden heute drei Rabbiner geweiht, es ist die zweite Ordination in Deutschland nach dem Holocaust. Rabbiner sind anders als Kantoren für religiöse Fragen in der Gemeinde zuständig. Die Absolventen des Rabbinerseminars kommen aus Israel, Argentinien und Südafrika. Die Ausbildung am Abraham-Geiger-Kolleg gibt es seit 2001.

Obwohl Juval Porat nach seiner Ordination gerne in Deutschland arbeiten würde, zieht er Ende Juni nach Los Angeles. Dort hat er eine Stelle als Kantor bekommen.

"In Deutschland haben nur die großen Berliner Synagogen einen ausgebildeten Kantor", sagt Porat. Die kleinen, neuen Synagogen im Bundesgebiet würden meist musikalisch talentierte Gemeindemitglieder als Vorbeter einsetzen, oder der Rabbiner übernehme die Arbeit des Kantors. "Vielen fehlt einfach das Geld, oder sie sind noch nicht ausreichend organisiert." Das sei sehr bedauerlich.

Die Liebe zur Musik und zur jüdischen Liturgie hat Porat schon früh entdeckt, seit seiner Kindheit spielt er Flöte und Gitarre. "Außerdem singe ich sehr gerne, möchte damit in anderen Menschen Emotionen wecken", sagt Porat. Wenn er Menschen mit seiner Musik berühren kann, ist er froh.

Vor der heutigen Ordination ist Juval Porat ein bisschen aufgeregt, denn "es sollen sehr viele Gäste kommen." Das Abraham-Geiger-Kolleg erwartet etwa 700 Besucher aus der ganzen Welt, unter ihnen ist auch die Präsidentin der Central Conference of American Rabbis, Rabbinerin Ellen Steinberg-Dreyfus.

bih