Geschichtstipp

Der Mittelpunkt der DDR liegt tief im dunklen Wald

Keine Chance. Zwar liegt Bad Belzig nur sechs Kilometer entfernt, aber das Handy hat keinen Empfang mehr. Vielleicht soll uns das sagen: Hier ist die Welt zu Ende. Oder der Ort ist dermaßen symbolisch aufgeladen, dass Handystrahlen nicht durchkommen. Wer weiß.

Auch wenn es die DDR nicht mehr gibt, ihr Mittelpunkt ist noch da. Oder wenigstens das, was dazu erklärt wurde, in jenem Staat, der für ja vieles seine eigene Wahrheit hatte. Der Punkt wird markiert durch einen dreieinhalb Tonnen schweren Findling im Wald. Er liegt zwischen zwei winzigen Dörfchen, eins trägt den sprechenden Namen Verlorenwasser und hat rund 20 Einwohner, in Weitzgrund leben ungefähr zehn. Neben dem Stein informieren Tafeln über die geografische Mitte der nicht mehr existenten Deutschen Demokratischen Republik. Jene hatten Wissenschaftler 1974 für die Fernsehserie "Außenseiter - Spitzenreiter" errechnet: Sie lag demnach 12 Grad, 31 Minuten östliche Länge, 52 Grad, 12 Minuten nördliche Breite. Der Stein liegt allerdings nicht genau an diesem Punkt. Die tatsächliche geografische Mitte der DDR befand sich auf einem Truppenübungsplatz - ein Schelm, wer hier Symbolisches sieht. So wurde die Deutsche Demokratische Republik einfach in den Wald nebenan verschoben. Sie landete in eben jenem beschaulichen Stück Welt zwischen Verlorenwasser und Weitzgrund. Die Region ist heute ein schönes Wandergebiet.