"Juppy" klingt wie Kaugummi, ein fröhlicher kleiner Fisch oder ein Freudenschrei. Dabei ist es der Spitzname des berühmtesten Berliner "Multikultur-Impresarios". Juppy (56) ist das Markenzeichen und Aushängeschild des Kulturzentrums Ufa-Fabrik an der Tempelhofer Viktoriastraße.

In diesem Monat erscheint ein Buch über den Mann, der in Berlin bekannt ist wie ein bunter Hund. Juppy hat seine Geschichte erzählt, und der Journalist Daniel Gäsche hat sie aufgeschrieben. ("Juppy - Aus dem Leben eines Revoluzzers" von Juppy/Daniel Gäsche, Militzke Verlag Leipzig, 272 S., 19,90 Euro)

Der am 11. November 1948 in Trittenheim bei Trier geborene Hans-Josef Becher hat inzwischen seinen bürgerlichen Namen abgelegt und sich dafür den Juppy an die Brust geheftet. Er hat sich ein schwarzes, spanisches Zirkushütchen auf die langen, roten Locken gesetzt, um es nie mehr abzusetzen. Zu guter Letzt hat er sich mit dem Ufa-Gelände eine alternative kleine Stadt in der Stadt erobert, um dort bis heute mit Gleichgesinnten zu leben, zu lieben und zu arbeiten.

Juppy ist seit 1972 Kommunarde aus Überzeugung - seiner Meinung nach einer der ältesten der Republik. Wenn man dem Buch Glauben schenkt, so ist der Revoluzzer auch nie ein Frauenverächter gewesen. Der Lebenskünstler liebte sein ganzes Leben lang starke Frauen.

Seine Biographie wirft vor allem ein Licht auf den goldenen Käfig namens West-Berlin - eine Insel, die eine Art Spielwiese gewesen sein muß. Der West-Teil der Stadt war Ende der 60er Jahre zum Anziehungspunkt für junge Menschen mit Widerspruchsgeist, Abenteuerlust und Sinn fürs Antibürgerliche geworden. Und Juppy, der vor der Engstirnigkeit der katholischen Provinz geflohen war, war einer von ihnen.

Schon weil der überzeugte Gegner des Vietnam-Krieges keinen Bock auf Wehrdienst verspürte, landete er in der Mauerstadt und erlebte hier seine Sturm- und Drangzeit mit Sex, Drugs und Rockmusik.

Daß er in Berlin trotz seiner Kontakte zur Terroristenszene nicht auf die schiefe Bahn geriet, verdankt er - wie er sagt - seinem Elternhaus. Gewalt habe er immer abgelehnt. Juppy beschreibt seinen Vater, einen Schreiner, als aufrechten Mann mit ungeheurem Durchhaltewillen. Dieser habe ihm Respekt gegenüber Mitmenschen beigebracht, aber auch, "daß man Autoritäten trotzt, wenn es ungerecht zugeht". Seine Mutter habe ihm das offene, herzliche Wesen vermacht.

Juppy, mit seinem Hang zum Praktischen, studierte in Berlin einige Semester Ausstellungsbau und Innenarchitektur, kam dann aber Anfang der 70er auf die Idee, auf dem Kudamm und in Kneipen selbstgemachten Schmuck, Ledergürtel mit Schnallen aus Türgriffen und Patronengürtel à la Che Guevara zu verkaufen. Am 9. Juni 1979 geschieht endlich das, was eigentlich "der größte Postraub in der Geschichte Deutschlands" ist: Einige 100 Menschen, Studenten, Aussteiger, Künstler nehmen die 18 000 Quadratmeter des ehemaligen Ufa-Filmkopier-Werks friedlich in Besitz.

Der Ufa-Zirkus auf dem Gelände wird berühmt. Juppy erobert dabei die Herzen der Berliner und ihrer Kinder mit seiner unvergessenen "Gemischten Raubtiernummer mit zwei Polizisten und drei Hunden". Ganz Berlin kennt bald nicht nur Juppy - den schrägen Vogel mit Hut - sondern auch seine begabten Strubbel-Hunde Bobby Fischer, Toni Turnschuh oder Max Müller.

"Ein bißchen Schwejk, ein bißchen Hauptmann von Köpenick" charakterisiert Autor Daniel Gäsche Juppy. Und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bedankte sich erst kürzlich beim Revoluzzer Juppy mit den Worten: "Ohne dich und dein Engagement, deinen Enthusiasmus und deine Ideen wäre aus der Ufa-Fabrik wohl nicht solch ein einzigartiger Ort der Kultur, der Begegnung und des sozialen Miteinanders für Menschen aller Altersgruppen geworden."