Großer Bahnhof gestern an der Invalidenstraße in Mitte. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde dort das "Stettiner Carrée" offiziell an den Nutzer, die Deutsche Bahn AG, übergeben. Der 160 Millionen Euro teure Bürokomplex auf dem Gelände des früheren Stettiner Bahnhofs (heute Nordbahnhof) ist neben der Konzernzentrale am Potsdamer Platz der zweite große Hauptstadt-Standort des staatseigenen Bahnunternehmens. Mehr als 2400 Mitarbeiter, die zuvor an 15 verschiedenen Standorten in Berlin tätig waren, finden in dem nach den Plänen des Architektenbüros RKW (Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH) errichteten Gebäudekomplex (61 000 Quadratmetern Nutzfläche) an der gleichfalls neu gebauten Caroline-Michaelis-Straße ihren Arbeitsplatz.
Der im Januar an nur vier Wochenenden vollzogene Umzug aller 2400 Mitarbeiter nebst 55 000 Umzugskisten und 40 000 Möbelstücken sei eine logistische Meisterleistung gewesen, betonte Peter Debuschewitz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG. Von der Konzentration der Regionalbüro-Mitarbeiter und diversen Tochterunternehmen wie etwa der Railion (Güterverkehr) oder DB ProjektBau (Bauvorhaben) verspricht sich der Konzern eine höhere Effektivität der Arbeit. Über die sich aus den über zehn beziehungsweise 13 Jahren vereinbarten Mietverträgen für den Neubau-Komplex ergebenden Kosten machte das Unternehmen indes keine Angaben. Unterm Strich gebe es aber gegenüber den vielen Einzelstandorten Einsparungen, heißt es.
Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) würdigte das Vorhaben am Nordbahnhof als gelungenes Beispiel für die politisch gewollte Revitalisierung der Innenstadt. Voraussetzung für das Gelingen seien Bedingungen gewesen, "die wir uns überall in Berlin für Investitionen wünschen". Junge-Reyer erinnerte an die große Tradition des Standorts, an dem sich mit dem Stettiner Bahnhof der einst zweitgrößte Fernbahnhof der Stadt und zudem der "Geburtsort der Elektrischen" befunden habe. Kriegszerstörungen und die Teilung Berlins ließen das Gelände jedoch veröden. Mit dem Neubau könne nun auch "ein Kapitel der Teilung Berlins überwunden werden".
Noch ist aber auf dem 2,5 Hektar großen Areal am Nordbahnhof nicht Schluß mit dem Bauen. Der Eigentümer, die Nordbahnhof Berlin Grundstücks-GbR, will weitere 25 Millionen Euro investieren. So soll das einzige noch vom Stettiner Bahnhof übrig gebliebene Gebäude denkmalgerecht saniert werden. "Vor zwei Wochen haben wir dafür den Bauantrag gestellt, Baubeginn könnte dann im Mai, Fertigstellung Mitte nächsten Jahres sein", so GbR-Geschäftsführer Joachim Kilb. Geplant ist für das dann sanierte Bahnhofsgebäude eine öffentliche Nutzung: etwa ein Café, eine Bankfiliale und vielleicht auch ein Kundencenter der Bahn.
In Regie des Bezirks werden gleichzeitig zwischen Bürokomplex und Bahntrasse ein Stadtpark sowie ein Sportplatz angelegt. "Die Finanzierung erfolgt über Ausgleichsmaßnahmen", so Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau (für Grüne).


