Gedenken

"Zug der Erinnerung" darf doch nach Berlin

Der "Zug der Erinnerung" kommt nun doch nach Berlin. Wie die Deutsche Bahn AG (DB) gestern bestätigte, darf der Zug in Grunewald halten. Zudem habe man einen weiteren Halt in Spandau am Johannesstift angeboten, sagte ein Sprecher des Bahnkonzerns.

Alle übrigen vom Trägerverein der Gedenkinitiative beantragten Haltestellen für den Zug prüfe man derzeit gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg).

"Wir sind sehr erleichtert und können es kaum glauben, schließlich hat sich die Bahn bei uns noch gar nicht gemeldet", reagierte Vereinschef Hans-Rüdiger Minow auf das späte Einlenken der Bahn. Der Trägerverein will den von einer Dampflok gezogenen Zug bereits in drei Tagen am Bahnhof Grunewald mit dem nahe gelegenen Deportationsmahnmal halten lassen.

Rechtzeitig am 8. Mai, dem 65. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus, soll dann die Ausstellung, die über das Schicksal der deportierten Kinder in der NS-Zeit anhand von Fotos, Briefen und anderen Dokumenten informiert, zu sehen sein. "Wir haben bereits vor mehr als zwei Monaten unsere schriftlichen Anträge gestellt", sagt Minow. Und noch bis gestern Nachmittag sei von der Bahn kein positives Signal gekommen.

Interview auf dem Gelände untersagt

So hatte die Bahn dem Verein bislang nicht nur den beantragten Halt in Spandau mit dem Hinweis auf "betriebliche Gründe" verwehrt, sondern auch für den früheren Deportationsbahnhof Grunewald keine Genehmigung erteilt. Im Gegenteil: "Für ein Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), das wir am vergangenen Montag auf dem Mahnmalgelände führen wollten, hat uns die Bahn die Drehgenehmigung versagt", so Minow. Der Bahnsprecher bestätigt dies: "Der RBB kann dort gern Filmaufnahmen machen. Aber für ein Interview mit Herrn Minow an diesem Ort sehen wir keinen Anlass." Die Gedenkinitiative "Zug der Erinnerung" hatte geplant, dass der Zug vom 8. bis 20. Mai an verschiedenen Stationen in Berlin hält. Dazu sollen neben dem Bahnhof Grunewald und Berlin-Spandau auch Stationen in Mitte, Schöneweide und Ahrensfelde gehören.

"Für die Haltestelle in Schöneweide sprechen wir gerade mit der Odeg, die dort ihre Züge nach Frankfurt (Oder) einsetzt", so der Bahnsprecher. Und über den Stopp in Ahrensfelde werde mit dem VBB über einen Schienersatzverkehr verhandelt, damit dort ein Gleis zur Verfügung gestellt werden kann. "Wir machen weitreichende Anstrengungen, um das Projekt zu ermöglichen", lautet die Botschaft des Sprechers.

Die Querelen zwischen dem Verein und der Bahn um den Gedenkzug wecken Erinnerungen an das Jahr 2008. Bereits damals kam es zu öffentlichen Auseinandersetzungen, als die DB den Halt im Berliner Hauptbahnhof verhinderte. Selbst dem früheren SPD-Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der sich damals in den Streit einschaltete, gelang es nicht, die Bahn zum Einlenken zu bewegen.

Dass seinem Gesuch nun zumindest teilweise entsprochen wird, führt Minow auch auf den öffentlichen Druck zurück. Denn die Berichterstattung über eine aus formalen Gründen versagte Ausstellung zur Geschichte der Deutschen Reichsbahn, deren Rechtsnachfolgerin die DB AG ist, schade dem Image des Konzerns. Möglicherweise hat jedoch auch die Drohung des Vereinschefs, die Sperrung der Bahnhöfe am 8. Mai notfalls zu durchbrechen, dazu beigetragen, dass die Bahn einem Konflikt lieber aus dem Weg geht.

Überlebende berichten

Der Trägerverein kündigte an, am Sonnabend auf der ehemaligen "Verladerampe" am Bahnhof Grunewald zum Tag der Befreiung ein öffentliches Gedenken für die Opfer der Deportationen in der NS-Zeit abzuhalten. "Es werden Überlebende der Reichsbahn-Deportationen und Vertreter internationaler Opferorganisationen anwesend sein", so Minow.

"Wir haben kein Interesse daran, dem Verein Steine in den Weg zu legen", versichert der Bahnsprecher. Allerdings zeige sich die Initiative auch häufig "wenig kooperativ". So sei etwa die Gedenkveranstaltung am 8. Mai "nicht angemeldet", so der Konzernsprecher. Man werde dies aber dennoch tolerieren. Und am heutigen Mittwoch werde man dem Verein "abschließend und endgültig" mitteilen, ob auch die anderen geplanten Haltestellen in Berlin angelaufen werden können.

Der "Zug der Erinnerung" machte seit Ende 2007 auf mehr als 100 Stationen Halt und wurde von mehreren 100 000 Menschen besucht. Die Ausstellung in drei Waggons wird heute um 10.30 Uhr in Frankfurt (O.) eröffnet und ist dort bis 7. Mai jeweils von 8.30 bis 19.30 Uhr zu sehen.