FDP lässt Landeschef Löning durchfallen

Als die Schlacht geschlagen war, tranken die Kontrahenten erst einmal ein Bier. Der Verlierer, FDP-Chef Markus Löning, spülte seine Enttäuschung über die "herbe Niederlage", wie er sagte, mit Freunden bei einem Gläschen am Rande herunter.

Sieger Martin Lindner gönnte sich mitten im Veranstaltungssaal des Hotels Ellington an der Nürnberger Straße in Schöneberg ein Hefeweizen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Lindner, geht als großer Gewinner aus der gestrigen Bundeswahlversammlung seiner Partei hervor. Er nahm damit Revanche für die Niederlage gegen Löning bei der Wahl zum FDP-Parteichef vor einem Jahr. 214 Delegierte stimmten für ihn als Berliner Spitzenkandidaten der Liberalen auf der Bundestagsliste, nur 133 für Löning. Der Landesvorsitzende, seit 2002 im Bundestag, kehrt dorthin nicht mehr zurück. Die Partei will ihn nicht mehr.

Das hat gestern auch Löning so verstanden, als er sagte: "Das ist ein klares Votum für Martin Lindner und ein klares Votum gegen mich." Sogleich vom Landesvorsitz zurücktreten mochte er aber nicht. Es sei nicht an der Zeit, "übereilte Entscheidungen" zu treffen. Und doch war es eine schwere Niederlage für den Parteichef. Er mochte denn auch anschließend auf hinteren Plätzen nicht mehr kandidieren. Sollte er tatsächlich zurücktreten, so heißt es in der Partei, würde das die Zerrissenheit des Landesverbandes deutlich unter Beweis stellen. Dann müsste einer seiner Stellvertreter, Lars Lindemann, die Aufgabe übernehmen.

Der auf dem politischen Parkett noch weitgehend unbekannte Lindemann setzte sich gestern im Kampf um Platz 2 für die Bundestagsliste gegen den zweiten FDP-Bundestagsabgeordneten aus der Hauptstadt, Hellmut Königshaus, mit 193 zu 155 Stimmen durch. Königshaus schaffte dann aber doch noch den Sprung auf den aussichtsreichen Platz 3 - indem er die Stichwahl gegen die Bildungspolitikerin Mieke Senftleben mit 214 zu 130 Stimmen gewann.

Gesundheitspolitiker Lindemann kommt aus Charlottenburg-Wilmersdorf und ist ein enger Weggefährte von Christoph Meyer, Mitglied des Angeordnetenhauses. Eben jener Meyer soll nun am Dienstag zum Nachfolger Lindners als FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus gewählt werden. Lindner kündigte an, nicht mehr anzutreten. "Es ist Zeit, etwas Neues zu wagen und den Staffelstab zu übergeben."

So machte es sich auch ganz gut, dass sich Lindner vor der Bundeswahlversammlung mit Meyer auf eine gegenseitige Unterstützung geeinigt hatte. Vor einem Jahr, als über den FDP-Landeschef entschieden wurde, war die Konstellation noch anders. Damals unterstützte Meyer Löning.

Und so waren gestern alle Seiten am Ende eifrig bemüht, die Geschlossenheit der FDP anzupreisen und einzufordern, um vom Bild einer zerrissenen Partei abzulenken. Die Gegner seien bei anderen Parteien zu suchen, rief Lindner den Delegierten zu. Deshalb gehe es auch nicht um eine Richtungsentscheidung, wie Löning sie prophezeit hatte, denn: "Wir kennen nur eine Richtung: Vorwärts!", sagte der neue Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Lindner versprach, seiner Partei in der Landespolitik treu zu bleiben. "Ich werde insbesondere 2011 meinen Beitrag dafür leisten, dass wir Rot-Rot ablösen."

Es ging aber auch um Inhalte: Lindner griff die CDU in seiner Rede scharf an. Mit der Debatte über Opel rüttele die Union an den Grundfesten der sozialen Marktwirtschaft. Lindner: "Die Leute wollen kein Wischi-Waschi, sondern Orientierung."