Es blieb gestern nicht die einzige Durchsuchung. Das Amtsgericht Tiergarten hatte gleich 16 Durchsuchungsbeschlüsse erlassen, die LKA-Ermittler nahmen nach Angaben eines Justizsprechers Büros und Wohnungen von insgesamt fünf Beschuldigten in Augenschein. Der Vorwurf: Bestechlichkeit und Untreue zulasten des Landes Berlin. Bezirksamtsintern wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich bei den Vorwürfen um Unstimmigkeiten bei der Nutzung der Räume der Zitadelle und Auftragsvergaben bei Sportanlagen handeln. Auffällig häufig und angeblich ohne Ausschreibung soll ein und dieselbe Person Aufträge bekommen haben. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu diesen konkreten Hinweisen nicht äußern. Der Leiter des Rechtsamtes in Spandau, Professor Jürgen Knebel, sagte: "Das Vergaberecht wurde offenbar nicht eingehalten, und es gab möglicherweise auch Manipulationen." Stadtrat Hanke war gestern nicht zu erreichen. Gegenüber Parteifreunden soll sich Hanke allerdings gelassen gegeben haben. An den Vorwürfen sei nichts dran.

Anders beim Betrugsfall im Bezirksamt Reinickendorf. Dort soll sich ein Mitarbeiter jahrelang Beträge von manipulierten Telefonrechnungen aufs eigene Konto überwiesen haben - im Schnitt gab es eine gezinkte Rechnung pro Monat. Nur durch einen Zufall waren die ausgeklügelten Machenschaften ans Licht gekommen: Eine Frau hatte in einem Copyshop eine kopierte Rechnung gefunden, Betrug vermutet und war damit zum Bezirksbürgermeister gegangen.

Kripo und Staatsanwaltschaft wurden sofort eingeschaltet, gestern dann die Dienst- und Privaträume des Verdächtigen durchsucht. Eine Kontenüberprüfung war vorgeschaltet. Wirtschafts- und Baustadtrat Martin Lambert (CDU) bezifferte die Schadenshöhe, die durch den Betrug vermutlich seit dem Jahr 2003 entstanden ist, auf einen fast sechsstelligen Betrag.

Der langjährige Mitarbeiter, der im Facility Management der Abteilung Wirtschaft und Bauen beschäftigt war und kurz vor der Pensionierung stehen soll, habe die Telefonrechnungen mit seiner Kontonummer manipuliert - nachdem sie bereits bezahlt worden waren. So zahlte der Bezirk zweimal.

Telefonrechnungen beispielsweise von Schulen und Sportanlagen werden im Bezirksamt in drei Prüfschritten zentral verwaltet. Zuerst prüft der jeweilige Fachbereich die Richtigkeit der Überweisungen, in einem zweiten Schritt werden die Rechnungen beim Facility Management erneut unter die Lupe genommen, bevor schließlich die Auszahlung angewiesen wird. "Mit hoher krimineller Energie", so die bisherigen Erkenntnisse, soll der Mitarbeiter Unterschriften herausgenommen und seine eigene reingesetzt haben, ohne dass dies im dritten Schritt - der Auszahlung - aufgefallen wäre. Um die Prüfungshürden zu nehmen, soll der Mitarbeiter auch das Vertrauen der Kollegen missbraucht haben.

Das Thema Korruption wird heute auch im Abgeordnetenhaus debattiert. Dabei geht es um den Pankower Abgeordneten Ralf Hillenberg (SPD), der Aufträge der Wohnungsbaugesellschaft Howoge ohne Ausschreibung erhalten hatte.