Boulevard der Stars

And the Winner is ... Marlene!

Gut eine Woche vor der offiziellen Enthüllung ist das Geheimnis gelüftet: Der erste Stern auf dem "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz wird für Marlene Dietrich funkeln. Am 12. Februar, zum 60-jährigen Bestehen der Berlinale, soll der 48 Zentimeter große Messing-Stern, in den der Name, die Lebensdaten sowie das Autogramm der Diva eingraviert sind, vor dem Filmmuseum an der Potsdamer Straße in rot eingefärbten Asphalt eingelassen werden.

"Der Stern wird an dieser Stelle allerdings nur für zwei Wochen leuchten", so Georgia Tornow, Geschäftsführerin der Boulevard der Stars GmbH. Denn die eigentlichen Bauarbeiten an der 312 Meter langen Berliner Version des legendären "Walk of Fame" auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles beginnen erst, "wenn Schnee und Eis sich endgültig verabschiedet haben", so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Das Land Berlin fungiert als Bauherrin und unterstützt das Projekt mit rund einer Million Euro.

Die Senatsbaudirektorin erhofft sich von der Sternenmeile "eine nachhaltige Aufwertung des Standorts". Die Potsdamer Straße könne mit dem Boulevard der Stars noch stärker in den Fokus für Film und Fernsehen gerückt und damit auch international bekannter werden, sagte sie. Denkbar sei auch, die Meile später Richtung Kulturforum mit der Philharmonie, der Staatsbibliothek und der Nationalgalerie auszudehnen - "mit Sternen für Musiker, Literaten und bildende Künstler", so Lüscher.

Prominent besetzte Jury

Vorerst jedoch bleibt es dabei: Die Sterne ehren deutschsprachige Schauspieler, Regisseure, Kameraleute und andere berühmte Film- und Fernsehschaffende. Jedes Jahr sollen dann bis zu zehn Sterne dazukommen. Eine unabhängige Jury - der unter anderem Berlinale-Chef Dieter Kosslick und Schauspielerin Senta Berger angehören - wird über die Vergabe entscheiden. "Wir werden auch politisch umstrittenen Stars ein Denkmal setzen", sagte gestern Hans Helmut Prinzler von der Stiftung Deutsche Kinemathek, ebenfalls Mitglied der Jury. Das ließe sich angesichts der mittlerweile 115-jährigen deutschen Filmgeschichte auch gar nicht vermeiden. "Wir können und wollen die NS-Zeit und auch die deutsche Teilung nicht einfach ausblenden", sagte Prinzler. Nicht umstritten war indes die Ehrung der in Berlin geborenen und beigesetzten Schauspielerin Marlene Dietrich (1901-1992).

Auch wenn die Wahl erst nach "vielem Abwägen und Nachdenken" getroffen worden sei, wie Prinzler betonte. Den Ausschlag habe schließlich gegeben, dass die Diva bei der Namensgebung des neuen Großflughafens in Schönefeld, der nun den Zusatz "Willy Brandt" trägt, leer ausging. Als Favoriten für die weiteren Sterne gelten etwa Billy Wilder, Hildegard Knef, Thomas Gottschalk, Hanna Schygulla, Michael Ballhaus und Wolfgang Petersen.

Der "rote Teppich" - eine wetterbeständige, rutsch- und abriebfeste Spezialanfertigung - soll nun in den kommenden Wochen auf dem breiten Mittelstreifen der Potsdamer Straße zwischen Sony-Center und Daimler-City aufgebracht werden. Bis zum Sommer kommt auch noch ein roter Bürgersteig vor dem Kinomuseum und vor der Berlinale-Zentrale hinzu. "Im September werden wir Marlenes Stern sowie 39 weitere auf dem roten Teppich verteilen", so Geschäftsführerin Tornow.

Arm in Arm mit der Filmlegende

Der rote Asphalt ist nicht die einzige Abweichung vom Vorbild in Hollywood. Nach den Plänen aus dem Büro Graft, den Lieblingsarchitekten von Brad Pitt und Angelina Jolie, sowie dem Büro Art+Com soll der Berliner Boulevard nicht nur durch die Messingsterne glänzen, sondern zudem auch noch durch Scheinwerfer in ständiges Premierenlicht getaucht werden. Der besondere Clou: Eine spezielle Kamera-Installation, die das holografische Abbild des geehrten Stars über seinem Stern schweben lässt. "Die Fans können sich dann Arm in Arm mit ihren Fans ablichten lassen", so Graft-Architekt Lars Krückeberg zu der Idee.