Sozialatlas: Der Aufsteigerkiez

Eldenaer Straße: Beliebt bei Familien

Auf Rang eins im aktuellen Sozialatlas von Berlin steht die Eldenaer Straße mit dem neuen Wohngebiet Alter Schlachthof. Die Studie bescheinigt dem Gebiet eine steigende Zahl von Bewohnern und sinkende Kinderarmut. Von den fast 600 Einwohnern sind nur 4,8 Prozent der 15 bis 65-Jährigen arbeitslos gemeldet, weitere drei Prozent sind Hartz-IV-Empfänger.

Nur fünf Prozent der unter 15-Jährigen sind dort auf Transferleistungen angewiesen ( www.stadtentwicklung.berlin.de ).

Wer durch die Straßen mit den niedrigen Neubauten geht, vorbei an Grundstücken, auf denen noch gebaut wird, versteht die Statistik. Stadthäuser mit kleinen Gärten reihen sich aneinander. Grünflächen, Spielplatz und Sportanlage, Supermärkte und Gewerbegebiet liegen zum Greifen nah. Es ist der Kiez der jungen Mütter und ihrer Kinder.

Schnittpunkt vieler Wege ist der jetzt schneebedeckte Blankensteinpark. Frauen mit Kinderwagen und vollen Taschen kommen vom Einkauf zurück, Väter und Mütter holen Sohn oder Tochter von der Kita. Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner aus. Man trifft Bekannte und plaudert oder ruft das Kind, das sich von der Hand losgerissen hat. Ein weiträumiger Platz, aber keiner, auf dem man sich verloren fühlt - dafür sorgen Bäume, Bänke und die vielen Menschen, die zu Fuß unterwegs sind.

Schon seit drei Jahren lebt Mandy Rogge (35) auf dem Gelände des Alten Schlachthofs. Sie ist aus Bad Freienwalde nach Prenzlauer Berg gezogen und wohnt zur Miete. "Doll schön" findet sie den Kiez mit Parks, viel Grün und Einkaufsmöglichkeiten. "Es ist nicht wie in der Großstadt." Viereinhalb Monate alt ist Sohn Richard, den sie im Kinderwagen über die Wege des Blankensteinparks schiebt, in Richtung Supermarkt. Neben ihr geht Freundin Anja Spangenberg, die zu Besuch ist und ihre kleine Tochter bei sich hat. Mandy Rogge, von Beruf Krankenkassen-Betriebswirtin, meint, dass es schon so etwas wie ein Kiezgefühl auf dem Alten Schlachthof gibt. "In meiner Mütterzeit war ich tagsüber häufig draußen unterwegs, habe mit vielen in der Umgebung gesprochen." Die Leute seien entspannt und offen. Sie habe andere Eltern kennengelernt und Freundschaften geschlossen.

Seit einem halben Jahr lebt Leontine von Levetzow im Kiez an der Eldenaer Straße. "Es ist eine Vorstadt mitten in der Stadt", schwärmt die 30-Jährige. "Man kennt die Nachbarn, die Kinder können auf der Straße spielen, es gibt Läden zum Einkaufen." Sogar einen Platz in der nahe gelegenen Kita hat sie für ihre zweijährige Tochter Helene bekommen. Die junge Frau hat früher am Kollwitzplatz gewohnt. Sohn Emil ist vor fünf Wochen zur Welt gekommen. Die Wohnung im Szenekiez wurde zu eng für die Familie, die deshalb in das Stadthaus zog. Wahrscheinlich nicht für immer. "Aber für diese Lebensphase, mit zwei kleinen Kindern, ist es genau das Richtige."