Reformen

Integrationsexperte fordert neue Strategie gegen Arbeitslosigkeit

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Klaus Bade, hat den Senat aufgefordert, die Integration von Migranten in Berlin weiter voranzutreiben.

"Größerer Anstrengungen bedarf es bei der Reform des Übergangssystems von der Schule in den Beruf. Noch immer sind Einwanderungsjugendliche auf dem Berliner Ausbildungsmarkt massiv unterrepräsentiert", schreibt Bade in einem Gastbeitrag für eine Broschüre des Integrationsbeauftragten.

Reformen bei der beruflichen Orientierung in den Schulen, aber auch im Hinblick auf die Einstellungspraxis von Betrieben seien dringend geboten, so der Osnabrücker Professor, der auch viele Ansätze lobt, wie das vor vier Jahren entwickelte Integrationskonzept, mit dem der Senat eine Vorreiterrolle in Deutschland einnehme. Bade schreibt aber weiter: "Die in den kommenden Jahren sinkenden Schulabgängerzahlen werden ein Umdenken erfordern. Die verstärkte Einstellung von Migrantenjugendlichen geschieht jedoch nicht von alleine und muss vonseiten des Senats aktiv gefördert werden." Bade fordert hier eine neue Strategie. "Ebenso notwendig ist ein offensiveres Werben um ausländische Spitzenkräfte. Berlin geht hier mit seinem Potenzial nachlässig um", konstatiert der Migrationsexperte. Die Stadt müsse in diesem Punkt attraktive Angebote unterbreiten und mit einer "unbürokratischen Begleitung hoch qualifizierte Ausländer anwerben". Bade, der viele Ansätze der Berliner Integrationspolitik lobt ("Besser als ihr Ruf"), fordert die Auswahl richtiger Schwerpunkte, um an "sichtbaren Erfolgen" zu arbeiten. In der Broschüre verweist Polizeipräsident Dieter Glietsch auf die Bemühungen, mehr Migranten bei der Polizei einzustellen. Entsprechende Anzeigen, in denen Fremdsprachenkenntnisse begrüßt werden, erschienen gestern in Tageszeitungen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte Ende 2009 angekündigt, dass der Senat die Integration in diesem Jahr zu einem Schwerpunktthema machen will. Kritik an der bisherigen Integrationspolitik des Senats hatte zuvor der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Thomas Heilmann geübt, der mehr Engagement bei der Integration der hier lebenden Migranten verlangt.