Für Empörung sorgte der Innenpolitiker der Grünen-Fraktion, Benedikt Lux, bei seiner Nachfrage, ob denn die angezündeten Nobelkarossen versichert waren. Dann sei das doch ein "Konjunkturprogramm der ganz besonderen Art" aus der linken Szene, sagte Lux belustigt. Weder Politiker der rot-roten Koalition noch die Opposition kommentierten die Äußerung im parlamentarischen Innenausschuss, zeigten sich aber wenig erfreut. Ein CDU-Politiker nannte den Lux-Satz einen "Gag, der deplatziert ist."

Zuvor hatte schon der neue innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Robbin Juhnke, für einige Aufregung gesorgt. Er kritisierte den Personalabbau bei der Polizei, der solche Anschlagserien möglich mache. Der rot-rote Senat sei "auf dem linken Auge blind", wenn er nicht entschieden genug handle. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sah daraufhin die gesamte Berliner Polizei in Verruf gebracht und forderte eine Entschuldigung Juhnkes, die dieser aber ablehnte.

Polizeipräsident Dieter Glietsch stellte sich vor seine Beamten. Er lehnt es jedoch weiterhin ab, eine Sonderkommission zur Aufklärung einzurichten. "Die Polizei kann, auch wenn sie 1000 oder 2000 Leute mehr hätte, nicht jeden Anschlag verhindern oder aufklären", sagte Glietsch. Das Anzünden der Autos sei für die Täter einfach und ohne großes Risiko. Glietsch wies Vorwürfe zurück, die Polizei ermittle nicht intensiv genug. "Wir tun alles, was sinnvoll ist und was die Experten für sinnvoll halten." Glietsch nannte eine Sonderkommission "Schaumschlägerei". Der für politisch motivierte Straftaten zuständige polizeiliche Staatsschutz sei zur Aufklärung am besten geeignet. Die Ermittlungen seien deshalb so schwierig, weil die Polizei wenige Möglichkeiten habe, in der Nacht Straßen zu kontrollieren, "weil da jeder Mensch auf der Straße auffällt". Der Täter hinterlasse kaum Spuren und habe viel Zeit, zu verschwinden. Meist verwendeten sie Grillanzünder.

In den vergangenen Nächten wurden wieder mehrere Autos in Neukölln und Friedrichshain angezündet. Sonntagabend brannte in Neukölln ein Smart. In der Nacht zuvor gingen ein Porsche und ein Ford Transit in Friedrichshain in Flammen auf. Nach Angaben von Glietsch gab es seit Beginn des Jahres in Berlin Brandanschläge auf 21 Autos. 2008 wurden 104 Autos angezündet, 2007 waren es 129. Häufig sind teure Autos das Ziel, aber es trifft auch Wagen von Firmen, etwa der Bahn, von DHL oder kleinere Privatautos. In Bekennerschreiben wird immer wieder der Kampf gegen Krieg oder Kapitalismus angeführt. In den vergangenen zwei Jahren wurden 19 Menschen festgenommen, aber den meisten konnte nichts nachgewiesen werden.

Auch Senator Körting wehrte sich scharf gegen Vorwürfe, die Polizei ermittle nicht ausreichend. Er sprach von "heimtückischen Anschlägen", wies aber auf die "Anfälligkeit einer freien Gesellschaft" für solche Delikte hin. "Damit müssen wir auch leben." Der Polizei Untätigkeit oder zu lasche Ermittlungen gegen die linksextreme Szene zu unterstellen, sei "verleumderisch".

Mehr über die Brandanschläge auf Autos unter www.morgenpost.de/berlin