Die Kosten für den Swimmingpool im Garten berappt der Diplomat aus seiner Privatschatulle. Reine Vorsichtsmaßnahme. Denn mit seiner neuen Residenz in Grunewald hatte der Botschafter Liechtensteins anfangs viel Ärger und will neuen vermeiden. "Ein Schwimmbad für den Botschafter" schrieb die Tageszeitung "Liechtensteiner Vaterland" vorwurfsvoll. Eine Zeitlang war sogar eine Volksabstimmung in seinem Heimatland im Gespräch - Sparfüchse hatten gegen die Umzugspläne des Botschafters protestiert und wollten - das ist laut Verfassung möglich - den Kauf verhindern. Am Ende kamen dann doch nicht genügend Stimmen zusammen und Botschafter Josef Wolf durfte seine Mietwohnung gegen eine Villa tauschen.

Rund 2,9 Millionen Euro investiert das Fürstentum in Kauf und Umbau seiner neuen diplomatischen Residenz in Berlin. Die Villa im Stil Mies van der Rohes in der Griegstraße wurde 1927 bis 1928 gebaut, Architekt war der Schweizer Rudolf Otto Salvisberg. Nun hat Botschafter Wolf Platz für 30 Gäste, in der alten Mietwohnung konnte er nur vier Besucher gleichzeitig bewirten. Das Botschaftsbüro in Mitte behält das Fürstentum. Die diplomatische Vertretung Liechtensteins hatte bis vor kurzem zwei Mitarbeiter, den Botschafter und seine Sekretärin, nun freut sich das Duo über einen dritten Schreibtisch, an dem eine wissenschaftliche Mitarbeiterin sitzt. Josef Wolf ist einer von weltweit sechs Botschaftern, die das Fürstentum beschäftigt, in den kommenden Jahren sollen erstmals auch Honorarkonsuln in den diplomatischen Dienst des Landes treten. Bevor der 66jährige vor zwölf Jahren Diplomat wurde, war er als Lehrer (Deutsch, Englisch, Philosophie, Latein) und von 1970 bis 1991 als Leiter des Schulamtes des Fürstentums Liechtenstein tätig. Einer seiner Schüler von damals ist nun ebenfalls in Berlin: Hans-Jörg Rheinberger, Direktor des Max-Planck-Institutes für Wissenschaftsgeschichte.

Vom Reichtum Liechtensteins merkt man in dem Büro in Mitte nur wenig. Es ist schön und modern, von Prunk und Protz jedoch weit entfernt, vermutlich eine der bescheidensten Botschaften in Berlin. Und dennoch: Liechtenstein und Geld scheinen Gästen aller Art untrennbar miteinander verbunden zu sein. Kürzlich kamen nachts Einbrecher, die ihr Glück zuvor schon bei einem Bauunternehmen des Bürohauses versucht hatten. Dort gab es Bargeld. Bei Botschafter Wolf hingegen gab es nichts zu holen - ein echter Liechtensteiner verwahrt sein Geld natürlich zinsbringend auf einem Bankkonto. "Die Täter haben meinen Schreibtisch aufgebrochen", so der Diplomat. Die Kollegen der Botschaften von Chile und Peru, die im selben Haus residieren, blieben unbehelligt.