Trotz der rasanten Entwicklung des Internets hat aktuell nur jeder zweite deutsche Haushalt einen Zugang. Denn immerhin muß für einen netztauglichen Computer investiert werden, zudem fallen für den Anschluß-Provider in der Regel Grundgebühren und zusätzliche Telefonkosten an. Was also tun, wenn kein eigener Anschluß vorhanden ist, man das Netz aber nutzen will? Zwar stellen viele Firmen und Behörden ihren Mitarbeitern einen Internet-Anschluß zur Verfügung, privates Surfen ist jedoch oft untersagt. Die einzige Lösung bleibt da der Besuch eines Internet-Cafés, von denen es in Berlin mittlerweile mehr als 50 gibt. Dort stehen Computer bereit, die gegen Gebühr genutzt werden können, oft gibt es auch etwas zu essen und zu trinken. Die Morgenpost hat für Sie zehn Internet-Cafés getestet, bei der Bewertung handelt es sich natürlich um Momentaufnahmen.
ha
Bar-Atmosphäre und 60er-Jahre-Design im Downtown an der Schöneberger Insel
Mehr als ein Internet-Café ist das Downtown in Schöneberg an der Kolonnenstraße 8. Klein, aber fein, bietet es auf zwei Etagen Bar-, Lounge- und Internetbereiche mit bunten Möbeln im 60er-Jahre-Design. Die acht Rechner im oberen Stockwerk sind auf höchstem und schnellstem technischen Stand. Ein Euro pro 30 Minuten Internetnutzung ist nicht wenig, dafür werden Speisen und Getränke - darunter Cocktails für 2,50 Euro - am Platz serviert.
Ein weiteres Plus sind die Öffnungszeiten: Internetzugang, Snacks und heißen Kaffee gibt es täglich bis Mitternacht und bei Bedarf sogar länger, geöffnet wird morgens um 10 Uhr. Die acht Internetzugänge sind so installiert, daß jeder User viel Platz hat - und sich von niemandem auf den Bildschirm gucken lassen muß. Der Jugendschutz wird durch einen installierten Webblocker garantiert. Telefon 81 82 11 83.
hö
Höllisch gut - Hellnet in Neukölln
Das Internet-Café Hellnet in den Neukölln-Arkaden ist eine ziemlich spacige Bude mit 50 Rechnern, die die jungen Leute im Kiez mit Rechenleistung versorgt und ihrer enormen Spielwut Rechnung trägt.
Das Ballerspiel Counterstrike läuft auf vielen Bildschirmen, natürlich darf auch gesurft, telefoniert, gescannt, gemailt und gebrannt werden. Der Kunde ist König: Betätigt er den Serviceknopf, meldet sich binnen kurzer Zeit ein Mitarbeiter, um ihm die Wünsche von den Augen abzulesen. Und das jeden Tag von 10 Uhr bis mindestens 2 Uhr nachts. Jungen Leuten sehen die Mitarbeiter stets über die Schulter. Damit beim Surfen nichts anbrennt und niemand auf Pornoseiten gerät oder sich gewaltverherrlichende Inhalte auf den Monitor holt. Sämtliche Rechner werden regelmäßig aufgerüstet und mit frischer Software gespeist.
Die Preise sind in Ordnung, nur über die "30-Minuten-Taktung" sollten die Betreiber nochmal nachdenken: Wer 31 Minuten surft zahlt 60 Minuten, also 1,98 Euro, minutengenaue Zeitabrechnung wäre besser. Das Hellnet ist peinlich sauber und überhaupt nett anzusehen. Gegen den Durst hilft eisgekühlte Cola, gegen Energielöcher Kaffee und Espresso. Dazu gibt es Riegel gegen den kleinen Hunger.
Der Hellnet-eigene Bierzapfhahn wurde wegen mangelnder Nachfrage kürzlich trockengelegt.
Karl-Marx-Straße 66, Tel.: 62 73-28 22. U 7, Bahnhof Rathaus Neukölln. www.hellnet.com .
brun
Das c-fox im S-Bahnhof Spandau ist rauchfrei
Mitten in der Halle des S-Bahnhofs Spandau befindet sich das Internet-Café c-fox. Insgesamt gibt es 27 Plätze. Zwar ist der Laden ein wenig eng, dafür aber ein Nichtraucher-Café, und man sitzt auf gemütlichen Ledersesseln. Mit einem Euro pro Stunde ist der Preis für das Surfen im Internet sehr günstig. Auch die Cola (85 Cent) oder der Kaffee (40 Cent) sind sehr preiswert. Ein Mitarbeiter hilft bei Computerproblemen und beim Brennen von CDs. Der Eintritt ist erst ab 16 Jahren erlaubt, manche Seiten mit gewalttätigem oder pornografischem Inhalt sind durch den Server gesperrt. Seegefelder Straße, Tel.: 33 97 99 02.
fan
Im Surf & Sushi spielt das Internet nicht die Hauptrolle
Das Surf & Sushi an der Oranienburger Straße 17 in Mitte ist nur in zweiter Linie ein Internetcafé. Gerade einmal acht Rechner stehen in einer Ecke des gepflegten Lokals, das aber dennoch einen Besuch wert ist. Montags bis sonnabends ist die Bar ab 12 Uhr geöffnet, sonntags ab 13 Uhr. Bis 1 Uhr werden Suppen, Salate und Sushi serviert, dazu Getränke von Cola über Cocktails bis zum japanischen Sake.
Der Preis fürs Surfen ist mit 1,20 Euro pro Viertelstunde ziemlich gesalzen, außerdem sind die Arbeitsplätze sehr eng. Laut Inhaber wird auf Jugendschutz geachtet, Jugendliche zählten aber nur selten zur Kundschaft.
sem
Netlounge lockt Touristen und junge Kiezbewohner
Über eine steile Treppe betreten die Netzsurfer den Internetkeller nahe der trubeligen Oranienburger Straße. Im Gewölbe tönt szeniger Clubsound aus den Boxen. 26 Rechner in zwei Räumen locken vor allem Touristen und junge Kiezbewohner an. Vor allem letztere nutzen die schnellen - obgleich nicht mehr brandneuen - Computer für Online-Spiele.
Der Service ist freundlich und kompetent, die Atmosphäre gelassen. Ganz preiswert ist das Surfen im coolen Ambiente allerdings nicht. Eine Stunde im Internet kostet 2,50 Euro, ein Ausdruck 20 Cent. Kaffee, Kaltgetränke und Snacks gibt es am Automaten für einen Euro. Dafür bietet die Netlounge gerade für eilige Laufkundschaft einen besonderen Service. Vier Minuten E-Mail-Check sind nämlich kostenlos.
Die Netlounge findet man an der Auguststraße 89 in Mitte. Öffnungszeiten täglich von 12 bis 24 Uhr. Öffentliche Verkehrsmittel: U-Bahnhof Oranienburger Tor, S-Bahnhof Oranienburger Straße. fal
Mystery Island: Computer stehen neben Brettspielen
Computerfreaks und Brettspieler: Im Mystery Island treffen zwei Welten aufeinander. Daß so etwas durchaus sehr gut funktionieren kann, beweist das Café nahe der Deutschen Oper. "Spielend die Welt vergessen" lautet der Slogan des Hauses, das eher Kaffeehaus mit Internetanschluß ist als klassisches Internet-Café. Sechs Rechner und zahllose kostenlos ausleihbare Brettspiele ziehen vor allem Fantasy-Freaks auf die geheimnisvolle Insel. Schwerter, Drachen, rote Wände, schummrig-gemütliches Licht. Dazu fließt Odin-Trunk, ein Met-Bier. Das Ambiente stimmt, und Jugendschutz wird großgeschrieben. Besucher unter 18 Jahren werden nämlich gar nicht erst an die Computer gelassen. Preislich rangiert das Café im guten Mittelfeld. Die Stunde Internet kostet 1,50 Euro, Kaffee gibt es für 1,40 Euro, Cola und Bier für 2,60 Euro pro halbem Liter. Leibnizstraße 17 in Charlottenburg, täglich 16 bis 1 Uhr, U-Bhf. Deutsche Oper.
fal
Internet(t)es Ambiente an der Kastanienallee
Das Internet(t)-Café an der Kastanienallee 94 in Prenzlauer Berg füllt sich schon früh um 9 Uhr. Die 32 Plätze verfügen über CD- und Diskettenlaufwerke, zudem wird alles geboten, was ein modernes Büro ausmacht - und das in einem warmen Ambiente. Das Speisenangebot beschränkt sich auf Schokoriegel und Snacks, dafür ist der Kaffee deliziös. Der Gast kauft ein Guthaben (Minimum halbe Stunde für einen Euro) und kann arbeiten, wann er will. Technisch sind die Computer auf dem aktuellen Stand, es gibt auch zwei Webcam-Plätze. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 24 Uhr, am Wochenende von 10 bis 24 Uhr. Tel. 40 50 09 20.
flo
easy-Internet am Kurfürstendamm mit 250 Arbeitsplätzen
Mit 250 Computern ist das easy-Internetcafé am Kurfürstendamm 224 in Charlottenburg wohl eines der größten in Berlin. Täglich von 6.30 bis 2 Uhr kommt man hier für einen bis zwei Euro pro Stunde ins Internet. Bis in die Nacht hinein kann man sich im angegliederten Dunkin Donuts mit Getränken und Gebäck zu annehmbaren Preisen versorgen. Die Räumlichkeiten auf zwei Etagen sind zwar recht freundlich, wirken aber etwas heruntergekommen. Weitere Mankos: Es gibt keine Ansprechpartner, die Ticketautomaten funktionieren nur auf englisch. Und den Jugendschutz überläßt das easy-Internet nach eigenen Angaben den Eltern.
sem
M@cBeam erst seit Ende Oktober geöffnet
Das M@cBeam ist eines der jüngsten Berliner Internet-Cafés, es wurde erst Ende Oktober eröffnet. Auf jedem der 42 Rechner mit Flachbildschirmen sind die aktuellen Microsoft-Programme installiert. Es gibt sogar einen separaten Office-Bereich mit Excel sowie CD/DVD-Laufwerk. Ausdrucken ist von jedem Platz aus möglich.
Eine Stunde surfen kostet 2,30 Euro, für fünf Stunden zahlt man 9,50 Euro. Wer sein Zeitkonto nicht auf einmal aufbrauchen möchte, kann sich mit einem persönlichen Code innerhalb von 60 Tagen immer wieder anmelden. Aus den Lautsprechern kommt leise Chill-Out-Musik. Schoko-Riegel und Getränke gibt es bei einem Mitarbeiter, der auch bei Computerproblemen hilft. Erst ab 16 Jahren darf man allein im Internet surfen, sonst nur in Begleitung Erwachsener. M@cBeam, Frankfurter Allee 32, Telefon: 740 7 81 96. U 5, Bahnhof Samariterstraße. Geöffnet: Montag bis Feitag, 9 bis 22 Uhr, sonst 11 bis 22 Uhr.
fan
www.minor.ag kommt ganz ohne Schnickschnack aus
Das praktische Internetcafé ohne Schnickschnack für Pragmatiker: Das www.minor.ag an der Hasenheide 115, wenige Schritte vom Hermannplatz, bietet guten Service zu fairen Preisen. Und das täglich von 9 bis 24 Uhr. Wer sich für einen Euro eine Stunde Internetzeit kauft, kriegt wirklich 60 volle Minuten dafür. Auch wenn er sie nicht bei einem Termin verbraucht. Über ein Zeitkonto mit persönlichem Paßwort, das 30 Tage gültig bleibt, ist die restliche Zeit weiter nutzbar. Verläßt ein User seinen Platz, sehen Mitarbeiter sofort nach dem Rechten. Spiele gibt es nicht. Falls ein Jugendlicher absichtlich oder aus Versehen auf eine Sex-Seite gerät, wird die Verbindung vom Tresen aus sofort unterbrochen. Nichtraucher haben einen kleinen Extraraum. Gegen den Durst gibt es Cola, Fanta oder Wasser, für Hungrige müssen Riegel reichen. Die 40 Computer sind auf dem neuesten Stand. Hasenheide 115. Telefon: 62 72 04 82. U-Bahnhof Hermannplatz.
brun

