Weiße Rosen mit Namenszug zum Gedenken an die Drogentoten

Nah beieinander lagen gestern Tod und Leben, als sich am Kottbusser Tor eine Menschenmenge um einen hölzernen Sarg versammelte. Jede Rose, die dort auf den Sargdeckel gelegt wurde, trug den Namen eines Toten, der an den Folgen seines Drogenkonsums gestorben war. Zum nationalen Drogentotengedenktag war der Sarg bald mit den weißen Blumen bedeckt.

Auch Monique R. kam, um zu trauern: "Ich habe schon viele Freunde verloren." Die junge Mutter trug auf ihrem Arm einen neun Wochen alten Säugling - ein Kind, das der Mutter Kraft zum Durchhalten gibt. Seit sie 14 ist, hat Monique R. Heroin gespritzt. Nun ist die 26-Jährige eine "Substituierte", das heißt: Nach Entzug und Entgiftung bekommt die junge Frau Drogenersatz vom Staat.

Mit 165 Drogentoten im vergangenen Jahr bewegt sich Berlin trotz seiner exponierten Rolle als Umschlagplatz im Mittelfeld des Bundesdurchschnitts. Die Zahl der Toten ist in der Hauptstadt sogar leicht rückläufig. Trotz des Sparkurses leistet sich Berlin ein umfassendes Fürsorgeprogramm. Zwei Fixerstuben und ein mobiler Bus, in dem sich Abhängige kontrolliert Drogen spritzen können, gehören dazu.

Was bei Kritikern umstritten ist, rettet nach Ansicht der Leiterin des Kreuzberger Drogenkonsumraumes in der Dresdner Straße, Ulla Schade, Leben: "Jeder Gerettete macht mich glücklich." In den vergangenen sechs Monaten gab es allein fünf Notfälle, die nur durch medizinische Hilfe noch leben. "Auf der Straße wären diese Menschen gestorben", sagt Geschäftsführer Orhan Akbiyik. Das sterile Zimmer wirkt wie ein Friseursalon: Spiegel an der Wand, davor Tische und Drehstühle. An der Wand hängen Atemgeräte für den Notfall, im Schrank liegen Spritzen und Desinfektionsmittel. Täglich kommen bis zu neun Menschen in das Hinterzimmer, um im Beisein einer Krankenschwester zu spritzen. Allerdings sind die Öffnungszeiten mit zwei Stunden nachmittags begrenzt. "Wer süchtig ist, kann nicht warten", sagt Akbiyik.

Doch die finanziellen Zuschüsse, jährlich 172 000 Euro für alle Drogenprojekte, sind knapp. Sie werden anderen sozialen Programmen abgespart, erklärt Beate Martonne-Kunarski vom Drogenreferat der Senatsgesundheitsbehörde. Deshalb steht ab kommenden Herbst der mobile Bus zur Disposition.