Die Stimmung ist aufgeheizt am Sonnabendmorgen vor dem Möbelhaus Höffner an der Weddinger Pankstraße. Um 9.30 Uhr ist das Geschäft noch nicht geöffnet, doch eine Kundenschlange harrt schon geduldig vor dem Eingang aus. Weniger gleichmütig ist eine kleine Gruppe von Demonstranten, die sich ebenfalls vor dem Geschäft postiert hat. "Man kann doch nicht immer das Maul halten. Ihr Ignoranten. Geht doch zurück in eure "schöne' DDR", brüllt ein Mann wütend in Richtung Kundenschlange. Der Schreihals ist Gustav Rust, Verleger und Autor. Rust saß in der DDR viele Jahre im Gefängnis. Zu viele Jahre, als dass Rust es irgendwie amüsant finden könnte, dass ein Möbelhaus Kaffeetassen mit DDR-Symbolen zum Schnäppchenpreis massenweise verhökert. Diese Ostalgie kann jemand wie Rust nicht verstehen.

Schaut man das Plakat an, das er mit rot gefrorenen Händen hochhält, bekommt man eine vage Ahnung, warum: Ein ausgemergelter Mann kauert auf einem Steinboden, die Hände an einen Balken gefesselt. "Wasserfolterzelle im Sowjet-KZ in Hohenschönhausen", steht darunter. Und Höffner verkauft 20 000 Tassen mit DDR-Wappen und SED-Symbolen. Die auch noch reißenden Absatz finden.

"Man stelle sich nur mal vor, Holocaust-Überlebende würden ständig mit Nazisymbolen konfrontiert", vergleicht Hartmut Richter, ebenfalls DDR-Opfer und Mitglied im Bund der Stalinistisch Verfolgten die Lage. "Das ist unerträglich", sagt er. Bitterkeit liegt in der Stimme. "Das ist eine Provokation der Opfer des Stalinismus, wenn Geschäfte mit Symbolen der zu Recht untergegangenen DDR gemacht werden", pflichtet Carl-Wolfgang Holzapfel bei. Auch er saß lange in Haft, weil er vor der Mauer gegen die Mauer demonstrierte.

"Sie sind nicht die alleinige moralische Instanz", kontert jetzt ein Mann, der Andreas Müller heißt und Geschäftsführer von Möbel Höffner ist. Er stellt sich den Demonstranten. Immerhin. Doch es folgen nur gestanzte Sätze wie: "Wir bedauern es außerordentlich, wenn wir Ihre persönlichen Gefühle verletzt haben sollten". Die DDR-Tassen seien ausverkauft. "Das Geschäft ist damit erledigt", sagt der Geschäftsmann. Für die Opfer des DDR-Regimes ist vieles noch lange nicht erledigt. Deren Aktion endet mit einem Scherbengericht: Die letzten DDR-Tassen zerschellen auf dem Asphalt.