Gleich fünf neue private Hochschulen gehen zum Wintersemester an den Start. Damit hat sich die Zahl der privaten Einrichtungen in Berlin allein in einem Jahr nahezu verdoppelt. Insgesamt gibt es jetzt zwölf dieser akademischen Ausbildungsstätten. Ein Teil von ihnen existiert schon länger, hat aber jetzt Hochschulstatus erlangt. Die Hauptstadt ist als Studienort beliebt - und offenbar nicht nur, weil es hier noch keine Studiengebühren gibt.
Viele Studenten sind bereit, für eine gute Ausbildung auch zu zahlen. Im Schnitt liegen die Kosten zwischen 400 Euro pro Semester und 50 000 Euro pro Jahr. Dafür versprechen sich die Studierenden einen zügigen und erfolgreichen Abschluss. Während die Erfolgsquote an den drei großen Berliner Unis nur bei 55 Prozent liegt, werben die privaten Hochschulen mit kleinen Gruppen, hohen Praxisanteilen und individueller Betreuung. Zudem decken sie teilweise neue Fächer ab, die es an den staatlichen Einrichtungen so noch nicht gibt. Auffällig ist auch der Trend zu berufsbegleitenden Studien unter dem neuen Motto "lebenslanges Lernen".
Studienfach Sportpsychologie neu
Deutschlandweit einmalig ist beispielsweise das Studienfach Sportpsychologie an der neuen Hochschule für Gesundheit und Sport. Die Hochschule befindet sich nur wenige Meter vom Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen. Unter den 30 Erstsemestern befinden sich mehrere Olympiateilnehmer. Zwei neue Privat-Hochschulen setzen auf die Wachstumsbranche Tourismus. "Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften ist in diesem Bereich groß", sagt Ute Pflicke, Gründungsrektorin der Best-Sabel-Hochschule. Eine Fachschulausbildung gab es an der Tourismusakademie an der Rungestraße in Mitte bereits. Jetzt können die Studenten noch den Hochschulabschluss draufsatteln. In drei Jahren lernen sie neben dem Tourismus- und Eventmanagement drei Sprachen. 40 Erstsemester sind immatrikuliert. Später sollen noch die Studienfächer Business Travel Management und Internationale Betriebswirtschaftslehre mit Blick auf die osteuropäischen Länder dazukommen.
Auch die bbw-Hochschule bietet Tourismus- und Eventmanagement als Studium. Neu ist hier vor allem die Zusammenarbeit zwischen staatlicher und privater Einrichtung. Das Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg hat sich als wissenschaftlichen Partner die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) gesucht. Anders als die Tourismus-Akademie zielt die bbw-Hochschule auf Fachkräfte aus der Wirtschaft, die sich durch ein Studium, etwa Wirtschaftsingenieurswesen, qualifizieren wollen. Die Fächer werden berufsbegleitend oder als Vollzeitstudien angeboten. Wer genügend Berufserfahrung hat, kann auch ohne Abitur studieren.
Senator Zöllner begrüßt Ansiedlung
Der hochpreisige Elitesektor baut ebenfalls sein Angebot weiter aus. Die European School of Management and Technology (ESMT) am Schloßplatz, Kaderschmiede für internationale Führungskräfte, will sich ebenfalls im Weiterbildungssektor profilieren. Ende Oktober startet ein berufsbegleitendes Teilzeit MBA-Programm (Master of Business Administration). Die Teilnehmer bleiben in ihrem Job und müssen nur teilweise vor Ort sein. Der Lehrkörper wurde mit neun Professoren aufgestockt. Gleich fünf Kandidaten kommen von den angesehensten Universitäten der USA. Im MBA-Vollzeitstudium lernen 37 Studenten aus 21 Nationen.
Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) begrüßt die Ansiedlung der privaten Hochschulen: "Berlin ist ein attraktiver Standort auch für private Hochschulen, die hier ein reichhaltiges wissenschaftliches Umfeld finden. Sie stellen eine sinnvolle Ergänzung der staatlichen Angebote dar."


