So richtig hat sie eigentlich niemand vermisst, die historische Pergola am Alten Palais. Denn seit ihrer Entfernung vor 45 Jahren war sie forderungslos zumindest aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden. Nicht aber bei den Historikern und Denkmalpflegern der Stadt, für die die "Pergola zur baukünstlerischen Gesamtkomposition des Palais' gehört und als eine Art lyrisches Intermezzo das Gegenstück zur streng aufgefassten Portikusarchitektur der Vorfahrt Unter den Linden bildet" und die ihr deshalb zu einer Renaissance verhalfen. Am Dienstagabend übergab Christian Melcher von der Stiftung Denkmalschutz Berlin dem neuen Hausherren, der Humboldt-Universität (HU), den mit 540 000 Euro aus Stiftungsgeldern und Bauplanenwerbung finanzierten Anbau an der Ostseite des Gebäudes. Für HU-Präsident Christoph Markschies kommt mit dem wiedererrichteten Blickfang "südländisches Flair" an den Bebelplatz. Für die Architekturhistoriker ist die auf einem Gewölbe stehende und mit einem Holzgerüst überdachte Terrasse ein wichtiger Bestandteil des zwischen 1834 und 1837 nach Plänen von Carl Friedrich Langhans erbauten Alten Palais'. Dort, wo sich einst Kaiser Wilhelm I. vom Aktenstudium und zahlreichen Attentats-Verletzungen erholte, sollen künftig Studenten der im Gebäude beheimateten juristischen Fakultät die Terrasse zur Erholung und - so Markschies' Zukunftsvision für die Zeit nach dem noch anstehenden Innenausbau bis 2010 - zum Kaffeetrinken nutzen können.
Das Alte Palais Unter den Linden Ecke Bebelplatz, dem alten Opernplatz, war Lebens- und Wirkungsort des Prinzen Wilhelm, der 1861 zum preußischen König und 1871 zum deutschen Kaiser gekrönt wurde. Wilhelm lebte mit seiner Gemahlin Augusta zeit seines Lebens in den Wintermonaten in diesem Palais, wo er auch im März 1888 starb. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Haus 1943 Brandbomben zum Opfer. Nach 1945 der Humboldt-Universität zugeordnet, wurde es nach dem Wiederaufbau von 1960 bis 1962 als Institutsgebäude in Betrieb genommen. Der historische Zustand war danach im Innern so gut wie nicht mehr erkennbar. Im Frühjahr 2003 wurde mit der aufwendigen Fassadensanierung begonnen, die bis 2005 dauerte und 2,6 Millionen Euro gekostet hat.

