Charité verdient mit Patenten fünf Mio. Euro

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Vom Forscher zum Firmenchef: In der Berliner Universitätsklinik Charité ist offenbar schon einigen Wissenschaftlern dieser Schritt geglückt.

Vom Forscher zum Firmenchef: In der Berliner Universitätsklinik Charité ist offenbar schon einigen Wissenschaftlern dieser Schritt geglückt. Zum zehnten Mal seit 2002 hat ein Hochschulwissenschaftler auf der Grundlage seiner Forschungen eine eigenständige Firma aufgebaut, teilte Charité-Dekan Professor Martin Paul gestern mit. Auch die klamme Berliner Universitätsklinik, deren Landeszuschuss für Forschung und Lehre drastisch reduziert wurde, profitiere von dem Unternehmergeist der Mediziner. Fünf Millionen Euro habe die Charité in den vergangenen vier Jahren aus Patentverwertungen eingenommen. Paul rechnet damit, dass sich diese Summe in den kommenden Jahren "verzehnfachen" wird.

Seit dem Jahr 2002 hätten Forscher der Charité insgesamt 271 Erfindungen angemeldet. Mit dieser Zahl belege die Berliner Universitätsklinik in der aktuellen Rangliste den ersten Platz unter allen medizinischen Fakultäten Deutschlands. Die Charité spricht sogar von einem "wahren Boom" bei den Patentanmeldungen.

Die Nachfrage dieser Zeitung zum Beispiel beim Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) ergab: Hamburger Uni-Mediziner haben seit dem Jahr 2004 nur 73 Patente angemeldet. Allerdings, so UKE-Sprecherin Maren Puttfarcken, sei die Charité "auch viel größer als die Hamburger Universitätsklinik". Die Universitätsklinik der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität liegt mit etwa 30 Patentanmeldungen innerhalb von sechs Jahren ebenfalls hinter der Charité.

Seit Änderung des Arbeitnehmererfindungsgesetzes im Jahr 2002 müssen Hochschullehrer ihre Erfindungen dem Dienstherrn melden. Seither profitieren auch die Universitäten von den Entdeckungen. Andererseits unterstützt die Charité ihre Forscher auch. Denn nicht aus jeder Erfindung wird automatisch ein Patent, ein marktreifes Produkt oder gar die Basis für eine Firma.

Bei der Erstprüfung hilft den Berliner Charité-Forschern die Patentverwertungsagentur ipal GmbH (Innovation Patente und Lizenzen), erläutert Anette Schröder, Beauftragte für den Technologietransfer. Die Agentur kläre, wie erfinderisch die Erfindung sei und vermarkte sie dann.

tak