Nachdem die Scientology-Mitgliedschaft des zurzeit in Berlin drehenden Schauspielers Tom Cruise wochenlang für heftige Debatten gesorgt hat, gibt es jetzt neue Aufregung um den Stauffenberg-Film des US-Mimen. Am Sonntagabend wurden bei Dreharbeiten an der Leipziger Straße elf Statisten verletzt, einer davon schwer. Gestern erhoben mehrere Verletzte schwere Vorwürfe gegen die Produktionsgesellschaft. Die Verantwortlichen bei den Dreharbeiten seien bereits Anfang vergangener Woche auf Mängel an den für die Filmszenen benutzten Lkw hingewiesen worden, gaben mehrere Betroffene an.
Mehrmals hätten die Komparsen, die Wehrmachtssoldaten spielten, sich gegenseitig aber auch die Produktionsleiter gewarnt, dass auf der Ladefläche des Pritschenwagens Teile lose waren, sagte der 36 Jahre alte Statist Alexander Klute. Die Verantwortlichen hätten darauf aber nicht reagiert. Es habe lediglich "kosmetische Reparaturen" gegeben. Inzwischen ermitteln die Polizei und das Landesamt für Arbeitsschutz.
Wie ein Polizeisprecher gestern sagte, saßen die Komparsen auf der Ladefläche eines Lkw. Als dieser an der Kreuzung Leipziger Straße/Wilhelmstraße um die Kurve bog, löste sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler eine Seitenklappe des Fahrzeugs.
Großeinsatz der Feuerwehr
Dabei stürzten etwa 20 Männer auf die Fahrbahn. Zehn von ihnen zogen sich Prellungen und Kopfverletzungen zu, die ambulant vor Ort behandelt werden konnten. Der Elfte musste vom Notarzt schwer verletzt in die Charité eingeliefert werden. Er befindet sich nach Angaben der Ärzte inzwischen außer Lebensgefahr.
Der Unfall ereignete sich um 20.50 Uhr. Kurz darauf wurde die Feuerwehr alarmiert. Deren Lagedienst beorderte unter dem Stichwort "Massenanfall von Verletzten" acht Rettungs- und Notarztwagen zur Unfallstelle. Insgesamt waren knapp 20 Notärzte und Rettungssanitäter im Einsatz, dazu ein Aufgebot der örtlichen Polizeidienstellen und des Verkehrsdienstes. Die Polizei ermittelt jetzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung gegen Unbekannt, die Ermittlungen führt der Verkehrsdienst der Direktion 3 (Mitte). "Wir gehen derzeit davon aus, dass sich während der Fahrt die Verriegelung der Klappe löste. Ob das aufgrund einer Unachtsamkeit oder durch einen Defekt passierte, können wir momentan noch nicht sagen", sagte ein Ermittler.
Neben der Polizei hat sich inzwischen auch das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit eingeschaltet. Das Amt untersucht nicht nur, ob am Drehort des Cruise-Films die vorgeschriebenen Sicherheits- und Unfallverhütungsbestimmungen eingehalten wurden. Es wird auch geprüft, welchen arbeitsrechtlichen Status die bei den Dreharbeiten eingesetzten Komparsen haben. "Dies ist wichtig für Haftungsfragen und eventuelle Schadenersatzansprüche", sagte gestern ein Beamter.
Die verantwortliche Film-Produktionsfirma United Artists ließ gestern durch einen Sprecher mitteilen, der Lkw sei zum Zeitpunkt des Unfalls mit lediglich 15 Kilometern pro Stunde um die Kurve gefahren, keiner der Komparsen habe sich ernsthaft verletzt. Nach dem Unfall waren die Dreharbeiten zunächst unterbrochen worden. Am Montag wurden sie dann aber planmäßig fortgesetzt. Wie berichtet, waren Teile der Leipziger sowie der Wilhelmstraße in Mitte während des Wochenendes für die Dreharbeiten gesperrt.
Der Film "Valkyrie" (Walküre) über das Hitler-Attentat am 14. Juli, in dem Cruise den Attentäter Claus Schenk Graf Stauffenberg spielt, wird derzeit in Brandenburg und teilweise an Originalschauplätzen in Berlin gedreht. Dazu gehört das Dienstgebäude des Bundesfinanzministeriums, während der NS-Zeit Sitz des Reichsluftfahrtministeriums.
Zahlreiche Schaulustige beobachteten am Wochenende trotz der weiträumigen Absperrungen die Dreharbeiten. Hauptdarsteller und Co-Produzent Tom Cruise selbst war am Wochenende nicht am Drehort, er hatte frei.

