Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, werden die Bürgersteige verbreitert und der Straßenzug begrünt. Für den Auto- und Busverkehr ist nur noch eine breite gemeinsame Fahrbahn pro Richtung vorgesehen, mit Fahrradstreifen und Parkspur. In den vergangenen Jahren gab es bereits verschiedene Investitionen der Privatwirtschaft entlang der Straße. "Nun wollen auch wir von Seiten des Bezirks etwas dazu beitragen, den guten Stand der Schloßstraße zu festigen", begründet der Steglitzer Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) die 1,8 Millionen-Investition. Start für den auf zwei Jahre angelegten Umbau soll schon im Oktober sein.
Nach den neuen Einkaufszentren "Schloss" und "Schloss-Straßen-Center" gehen die Bauvorhaben an der Schloßstraße weiter: Wertheim und Karstadt verschmelzen bis 2011 zum "Boulevard Berlin" mit insgesamt 64 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon gehen über ein Drittel an Karstadt. Dieser Bereich wird bereits im kommenden Frühjahr als erster Teil des Einkaufsparadieses eröffnet.
Keine Waschbeton-Fassade mehr, sondern lichtdurchflutetes Glas: Das Kaufhaus will an diesem Standort die Produktpalette seiner Premium-Group anbieten. Erst danach wird Wertheim geschlossen und umgebaut. Teile des Gebäudes, das als erstes Nachkriegskaufhaus Berlins unter Schutz steht, sollen denkmalgerecht saniert werden. "Dann wird man die Qualität des 50er-Jahre-Entwurfs wieder erkennen können", betont Mark Göhring, Projektentwickler der Multi Development. Auf dem Wertheim-Areal wird es Raum geben für kleinere und größere Läden, Restaurants, Platz und Fußgängerzone.
Ein Teil der Treitschkestraße, heute fast nur Stellplatzfläche mit Hinterhofcharakter, wird überdacht und in den Gebäudekomplex integriert. Auch der dahinter liegende Park wird im Konzept berücksichtigt: Durch hohe Transparenz und Ausblicke von Innen nach Außen wird die Grünanlage mit dem Gebäude verknüpft. Gut 350 Millionen Euro investiert die deutsche Tochter der holländischen Multi-Development in die neue Einkaufswelt. Einige Hausnummern weiter räumt auch Woolworth bereits aus. Hier entsteht ab Anfang Oktober ein Geschäftsgebäude mit 7500 Quadratmetern auf fünf Etagen, in dem Woolworth, ein Textilkaufhaus und verschiedene Büroräume Platz finden werden. Auch über und unter der Tiburtiusbrücke tut sich etwas. Für das Wahrzeichen der Schloßstraße, den Gastronomieturm Bierpinsel, hat Geschäftsführerin Larissa Laternser einen neuen Bauantrag eingereicht, weitere Details sollen im September nachgeliefert werden.
"Wenn alles glatt läuft, können im Frühjahr die Bauarbeiten beginnen", hofft die 27-Jährige. Fans des futuristisch anmutenden Bauwerks, das in den 70er-Jahren vom ICC-Architekten Ralf Schüler geplant wurde, können sich dann auf ein Restaurant gehobener Qualität freuen, in dem auch Kultur Platz finden soll. Ingo Herpolsheimer, Sprecher der AG Schloßstraße und Geschäftsführer von "Werken-Spielen-Schenken", sieht die Entwicklung an der Schloßstraße sehr positiv, da die Anrainer an einem Strang ziehen: "Die neuen Projekte beleben den gesamten Straßenzug."
Gut sieht es auch für das Schlosspark Theater Berlin aus - auch wenn es von der Senatskulturverwaltung noch keine endgültige Aussage zum zukünftigen Hausherrn gibt. Anfang Juni fiel die Vorentscheidung mit drei Bewerbern. Die Verhandlungen laufen weiter. Ende Oktober soll der Gewinner bekannt gegeben werden.




