Der ehemalige Generalmusikdirektor der Komischen Oper, Rolf Reuter, steht im Verdacht, wiederholt in rechtsextremen Kreisen agiert zu haben. Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, belasten den Musikprofessor schwer. Nun gibt es Bestrebungen, ihm die Ehrenmitgliedschaft der Komischen Oper abzuerkennen. Zudem hat sich die Senatskanzlei eingeschaltet und das Bundespräsidialamt aufgefordert, zu prüfen, ob eine Entziehung des Bundesverdienstkreuzes möglich ist.

Konkret geht es um Auftritte Reuters im "Freundeskreis Ulrich von Hutten" vor der "Deutschen Kulturgemeinschaft". Der "Freundeskreis" wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz laut Jahresbericht 2006 als rechtsextrem eingestuft und beobachtet. Auch die "Kulturgemeinschaft" taucht in mehreren Jahresberichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf. Bei Veranstaltungen dieser Organisationen treffen regelmäßig Rechtsextremisten zusammen. Auch Reuter soll zugegen gewesen sein.

So soll der Dirigent beispielsweise aktiv an der Organisation der 30. Gästewoche vom 22. bis 27. September vergangenen Jahres teilgenommen haben. Auf einer Ankündigung zu einer Gesangsveranstaltung am Sonnabend findet sich der Passus: "11 Uhr, Generalmusikdirektor Prof. Rolf Reuter spricht über: Das Volkslied als Mutterboden der musikalischen Hochkultur." Auch auf der Einladungsliste für die 28. Gästewoche vom 15. bis 20. Oktober 2004 taucht sein Name auf. Laut dieser Ankündigung sollte Reuter über "Anton Bruckner und die deutsche Volksseele" referieren. Davon gibt es auch Aufnahmen. Die CD mit Reuters Vortrag kostet 10 Euro.

Reuter wird in den sogenannten "Huttenbriefen", den unregelmäßig erscheinenden Rundschreiben des rechtsextremen "Freundeskreises", auch lobend erwähnt: "Seelische Nahrung mit auf den Heimweg gab den Teilnehmern Prof. Rolf Reuter, der am letzten Tag Beethoven und die deutsche Volksseele darbrachte."

Der ehemalige Generalmusikdirektor wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern; seine Frau wies sie zurück. Ihr Mann sei immer von humanistischen Grundsätzen geleitet gewesen. Allerdings haben die möglichen Auftritte Folgen für Reuter. Am Sonnabend traf ein Brief der Intendanz der Komischen Oper ein, der Reuter auffordert, bis spätestens zum 31. August über die angeblichen Auftritte vor Rechtsextremen Stellung zu nehmen. Reuter droht die Aberkennung der Ehrenmitgliedschaft der Komischen Oper, an der der geborene Leipziger, Jahrgang 1926, bis 1993 tätig war. Die Umtriebe des Generalmusikdirektors a. D. könnten noch weitere Konsequenzen haben.

In einem Brief fordert der SPD-Abgeordnete und Verfassungsschutz-Experten Tom Schreiber die Chefin der Senatskanzlei Barbara Kisseler auf, "ein Verfahren zur Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes einzuleiten". Reuter hatte es 2000 wegen seiner Verdienste um die Komische Oper erhalten. Kisseler wandte sich an das Bundespräsidialamt, das für ein Aberkennungsverfahren zuständig ist. Sie sagte dieser Zeitung: "Wenn sich jemand zu aktivem Tun in solchen Kreisen hinreißen lässt, passt das nicht zu der Würde der Auszeichnung." Sie will nun nach der Sommerpause das Gespräch mit der Behörde suchen.

Schreiber sagte: "Die Sache Reuter ist Anlass, um über die Vergabekriterien und die Möglichkeiten des Entziehens des Bundesverdienstkreuzes nachzudenken."