Kampf dem Traubenkraut: Mit einem Aufruf bittet die Senatsverwaltung für Gesundheit und Umwelt die Bevölkerung um Hilfe bei der Vernichtung des Krauts, das Fachleuten auch als Ambrosia bekannt ist. "Ambrosiapflanzen haben das weltweit stärkste Pollenallergen", heißt es in der Mitteilung. Deshalb müsse die Ausbreitung in Berlin verhindert werden. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt zum Ausreißen der Ambrosia, da die Blüte noch nicht eingesetzt hat. In zwei Wochen ist es schon zu spät. Experten rechnen zu dem Zeitpunkt mit der Blüte - dann kann eine Pflanze bis zu einer Milliarde Pollen ausstreuen.
Der Aufruf ist Teil eines bundesweiten Aktionsplanes zur Ausrottung des gefährlichen Krauts, den die Biologische Bundesanstalt im Juni gestartet hat. Die aus Nordamerika stammende Pflanze ist schon seit 100 Jahren in Deutschland zu finden. Doch seit zwei Jahren breitet sie sich viel stärker aus als früher. Deswegen sollen nun alle Bundesländer einen Koordinator in Sachen Ambrosia bestimmen, der die Vorkommen kartiert und meldet. Die Pflanzen sollen vernichtet und die Orte regelmäßig auf neue Sprösslinge überprüft werden.
"Bisher gibt es keine systematische Erfassung", sagt Peter Boas, Leiter des Pflanzenschutzamtes Berlin. Er geht davon aus, dass es 20 bis 25 bisher bekannte Standorte in Berlin gibt. Die Grünflächenämter der Bezirke sind nun aufgefordert, die Vorkommen zu melden. "Die Bürger sollen keinesfalls in öffentlichen Grünanlagen die Pflanzen selbst vernichten", betont Boas. Die Verwechselungsgefahr mit dem normalen Beifuß sei sehr hoch. Die Grünflächenämter würden den Hinweisen nachgehen und das Kraut ausreißen.
Unterschiedlicher Befall in Bezirken
So haben die Mitarbeiter des Grünflächenamtes in Reinickendorf seit September des vergangenen Jahres an 15 Standorten die Pflanzen entfernt. Die Gewächse seien entwurzelt worden, mit einer Wiederkehr sei nicht zu rechnen, sagt Rüdiger Zech, Leiter der Behörde. Bislang seien keine neuen Meldungen eingegangen.
In Neukölln dagegen kämpft man jedes Jahr im Vogelwäldchen an der Grenze zu Brandenburg mit der hartnäckigen Pflanze. "Sie ist tief verwurzelt, daher können wir nur regelmäßig abmähen", sagt Bernd Kanert, Leiter des Grünflächenamtes. Würde die Pflanze entwurzelt, könnten umliegende Bäume geschädigt werden. Bezirke wie Pankow, Marzahn-Hellersdorf oder Charlottenburg-Wilmersdorf haben kaum Probleme mit Ambrosia. "Im vergangenen Jahr haben wir nur an drei Baumscheiben am Fehrbelliner Platz das Kraut vernichtet", sagt Dagmar Elbrandt vom Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf.
Anstieg von Pollenallergien
Zehn Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um bei Allergikern Tränen, Augenjucken, Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen und Heuschnupfen auszulösen. In Berlin leiden immer mehr Menschen unter einer Empfindlichkeit gegenüber Blütenpollen. "In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Pollenallergien um das 20-fache erhöht", sagt Torsten Zuberbier, Leiter des Allergie-Centrum-Charité am Campus Mitte. "Bei der Ambrosia werden wir einen ähnlichen Verlauf beobachten können." Gründe dafür sind die Zunahme der Pollenanzahl und der verlängerte Zeitraum des Pollenfluges.
Die ersten Ambrosia-Pollen wurden in Berlin erst am 4. September 2006 in der Pollenfalle des Institutes für Meteorologie der Freien Universität in Steglitz nachgewiesen. Für die zunehmende Verbreitung der Pflanze ist unter anderem mit Ambrosia-Samen verunreinigtes Vogelfutter verantwortlich.
Wer die Allergie verschleppt, gefährdet seine Gesundheit, so lautet Zuberbiers Warnung. Je später sie erkannt werde, desto höher sei das Risiko, an Entzündungen der Nasenschleimhäute oder an chronischem Asthma zu erkranken. Betroffene sollten schon bei den ersten Symptomen wie Nasenjucken oder tränenden Augen einen Allergietest durchführen lassen. Da es sich um eine eingeschleppte und somit relativ neue Krankheit handele, hätten noch nicht alle Allergologen das Ambrosia-Allergen in ihre Routineuntersuchungen aufgenommen.



