Brückenschläge über die Spree

Berlin braucht neue Brücken. Sie sollen die Stadtteile und ihre Bewohner besser miteinander verbinden.

Berlin braucht neue Brücken. Sie sollen die Stadtteile und ihre Bewohner besser miteinander verbinden. Ein erster großer Brückenschlag ist für die nächste Woche im Südosten der Stadt avisiert: Der Kaisersteg kehrt zurück. Die legendäre Fußgänger-Brücke über die Spree, die die AEG Ende des 19. Jahrhunderts für ihre Arbeiter bauen ließ, wird ab dem 4. Juni neu erbaut. Sie verbindet Oberschöneweide und Niederschöneweide.

Auch zwischen Friedrichshain und Kreuzberg sollen sich neue Bögen über die Spree spannen. Ein Neubau der Brommy-Brücke, die für Autos befahrbar sein soll, ist in der Diskussion. Auch eine Fußgängerbrücke an der Manteuffelstraße wird von Planern in Erwägung gezogen. Kreuzberger Anwohner sind von den Brückenprojekten wenig begeistert. Sie fürchten, dass eine neue Autobrücke viel Straßenverkehr in den Kiez ziehen wird.

Bauteile kommen per Schiff

Lang ersehnt ist dagegen der Neubau des Kaiserstegs in Oberschöneweide. Er wird allerdings nicht so filigran ausfallen wie sein Vorgänger. Die 1897/98 erbaute Brücke trug Sonne, Mond und Sterne als Verzierungen im schmiedeeisernen Gitter. Ältere Anwohner schwärmen heute noch vom alten Bauwerk, das die Hasselwerderstraße mit der Laufener Straße verband. Etwa Waltraud Krause, 82 Jahre alt und langjährige Ortschronistin von Oberschöneweide. Sie ging als Kind mit ihrer Geige über die Brücke nach Niederschöneweide, um dort mit einer Mitschülerin zu proben, die Klavier spielte. "Der Kaisersteg war auch nach seiner Sprengung 1944 immer im Gespräch", sagt sie. "Ich freue mich auf die neue Brücke und hoffe, dass sie gut genutzt wird." Der Neubau hat einen etwa 32 Meter hohen Pylon (Pfeiler einer Hänge- oder Schrägseilbrücke). Der neue Kaisersteg wird etwa 140 Meter lang und fünf Meter breit. Die riesigen Bauteile kommen per Schiff. Am 4. Juni wird der Pylon aufgestellt. Er sollte ursprünglich eine H-förmige Gestalt haben, musste aber im Verlauf der Planung verändert werden. Statiker stellten fest, dass diese Form dem Wind zu viel Angriffsfläche geboten hätte. Nun bekommt der Pylon die Form eines A. Wegen der veränderten Planung ist die Brücke um rund 770 000 Euro teurer als ursprünglich geplant. Wegen der Bauarbeiten wird die Spree am 4. Juni im Brückenbereich von 7 bis 18 Uhr gesperrt. Am 6. und 7. Juni werden die einzelnen Bauteile montiert. Dann ist der Schiffsverkehr ebenfalls untersagt.

Der neue Kaisersteg ist rund 400 Tonnen schwer. Die Baukosten liegen bei rund vier Millionen Euro. Wann die Brücke für Fußgänger und Radfahrer frei gegeben wird, steht noch nicht fest.

Kürzere Wege für Studenten

Hauptnutznießer werden Tausende Studenten der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft sein. Sie kommen auf kurzem Weg vom Bahnhof Schöneweide über den Kaisersteg zu den Hörsälen, Laboren und Werkstätten an der Wilhelminenhofstraße.

Der Brückenneubau ist Auftakt für ein architektonisches Ensemble am Spreeufer in Oberschöneweide, wo ein Mekka der modernen Kunst entstehen soll. In die ehemaligen Reinbeck-Hallen ziehen Museen, eine englische Privatsammlung und Galerien ein. Das Projekt "Schauhallen", das zwei Geschäftsleute aus Berlin und Frankfurt/Main entwickeln, soll 2008 fertig werden. Zwischen Kunstcampus und Kaisersteg entsteht ein neuer Stadtplatz mit Skulpturengarten und Kranbahnpromenade.