Mysteriöser Überfall auf eine Spielhalle

Eine 24 Jahre alte Angestellte ist am Donnerstagabend bei einem Überfall auf eine Spielhalle an der Uhlandstraße 106 in Wilmersdorf schwer verletzt worden.

Eine 24 Jahre alte Angestellte ist am Donnerstagabend bei einem Überfall auf eine Spielhalle an der Uhlandstraße 106 in Wilmersdorf schwer verletzt worden. Rettungssanitäter brachten die Frau ins Virchow-Klinikum. Die Ärzte dort haben inzwischen den Hirntod festgestellt. "Aus ermittlungstaktischen Gründen werden derzeit keine genauen Angaben zur Art der Verletzungen gemacht", sagte ein Polizeisprecher. Eine Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) hat die Ermittlungen übernommen.

Kunde fand bewusstlose Angestellte

Die Angestellte Ina H. war zuletzt um 17.45 Uhr unverletzt gesehen und gegen 18.50 Uhr von einem Kunden der Spielhalle bewusstlos gefunden worden. Nach Informationen dieser Zeitung lag die 24-Jährige stark blutend in einem Nebenraum der Spielothek. Der Täter habe "massivste Gewalt gegen Kopf und Hals eingesetzt", so ein Ermittler. Welche Tatwaffe er dazu benutzte, sei aber noch unklar.

Fest stehe nur, dass der Räuber einen geringen Bargeldbetrag erbeutete. Von einem Schutzgelddelikt gehen die Ermittler nicht aus, auch ein persönliches Motiv komme nicht unbedingt in Frage. Hoffnungen setze man vor allem auf die Aufnahmen von Videokameras, die im Außen- und Innenbereich der Spielothek angebracht sind. "Der genaue Tathergang ist bisher nicht bekannt. Ein Tatverdacht besteht nicht", hieß es aus der Pressestelle der Polizei.

Der Chef der Spielhalle, Aleksei K. (40), wollte sich zu dem Überfall nicht äußern. "Ich mache keine Informationen" sagte er gestern am Telefon. Er wisse auch nicht um den aktuellen Gesundheitszustand seiner Angestellten. K. hatte bis vor einiger Zeit eine Spielhalle am Hohenzollerndamm; er soll aber an mehreren Spielhallen in der gesamten Stadt beteiligt sein. Erst vor drei Monaten soll der 40-Jährige die Spielothek an der Uhlandstraße eröffnet haben. Zuvor gab es dort ein Geschäft namens "Playgarden", das einem Felix R. gehörte. R. ist angeblich ins Ausland verzogen.

Im Kiez ist man von dem brutalen Verbrechen geschockt. Seit dem Raubüberfall brodelt hier die Gerüchteküche.

Eine junge, hübsche Frau mit Akzent

Ein Kunde, der gestern Vormittag an der versiegelten Tür des Spiellokals kehrtmachen musste, war über den Raubüberfall informiert. Er hatte davon aus den Medien erfahren, jedoch nicht glauben wollen, dass dies in dem von ihm regelmäßig besuchten Spiellokal geschehen ist. "Ja, hier arbeitet eine junge Frau, hübsch anzusehen, die gut deutsch mit russischem Akzent spricht", sagt er. Mehr wisse er aber auch nicht über das Opfer.

"Hier war vorher ein Wettbüro", sagt ein Passant. Das habe aber vor Monaten plötzlich von einem Tag auf den anderen geschlossen. "Danach ist dort zunächst nichts geschehen", sagt der Mann.

Die Polizei sucht dringend nach Zeugen. Die Ermittler fragen: Wer hat verdächtige Wahrnehmungen in der Umgebung der Spielhalle gemacht? Wem sind am Donnerstag nach 17.45 Uhr Personen - eventuell mit blutverschmierter Kleidung - aufgefallen? Welche Taxifahrer haben zwischen 17.45 und 19 Uhr Fahrgäste in der Nähe des Tatortes aufgenommen? Hinweise nimmt die 5. Mordkommission des Landeskriminalamtes unter der Telefonnummer 46 64-91 15 02 entgegen.

Der brutale Überfall weckt Erinnerungen an den sogenannten Rossmann-Mord. Am Abend des 10. Dezember 2005 wurden Angestellte einer Rossmann-Filiale an der Wiltbergstraße in Buch von zwei Tätern überfallen. Die stellvertretende Filialleiterin Regina G. wurde von einem vermummten Räuber erstochen. Spuren führten die Ermittler schließlich zu Silvio S. (20) und Murat Ö. (24), der Schmiere gestanden haben soll. Doch die beiden Männer wurden von der 18. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts knapp ein Jahr später freigesprochen. Der Mord an Regina G. ist bis heute ungesühnt.