Andrea Fischer

Ehemalige Ministerin wird Malteser-Chefin

Sie war die jüngste Politikerin im Kabinett Schröder und die erste Bundesministerin der Grünen, als sie im Herbst 1998 das Amt der Bundesgesundheitsministerin antrat. Doch nur gut zwei Jahre dauerte die Amtszeit.

Im Januar 2001 trat Andrea Fischer, fünf Tage vor ihrem 41. Geburtstag, im Zusammenhang mit dem BSE-Skandal zurück und 2002 endgültig von der politischen Bühne ab. Die grüne Basis hatte dem DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz den Vortritt eingeräumt, als es bei einer Kampfabstimmung um einen sicheren Listenplatz des Berliner Landesverbandes für die Bundestagswahl ging.

"Nachdem sie den Bundestag 2002 verließ, hat sie als Journalistin und in leitender Position in der Kommunikationsberatung gearbeitet. Seit Oktober 2006 ist sie Partnerin der Kommunikationsagentur Pleon GmbH, wo sie den Bereich Health Care leitet", steht auf ihrer aktuellen Homepage. Was noch nicht erwähnt wird, ist ihr neues Ehrenamt, zu dem sie am Sonnabend mit einem Festakt in Rudow berufen wird. Ein Amt, das unmittelbar mit der Katholikin Andrea Fischer zu tun hat. Fischer wird neue Diözesanleiterin des Malteser Hilfsdiensts in Berlin und gemeinsam mit Malteser-Geschäftsführer Henric Maes die Spitze der mehr als 800 ehrenamtlichen Helfer des katholischen Hilfsdienstes in Berlin bilden.

Ein Amt, das nach Angaben von Malteser-Sprecherin Kristin Erven-Hoppe viel Zeit erfordert und mit einem Full-Time-Job zu vergleichen ist. Fischer löst Gabriella von Schewen ab, die seit 2006 das Amt innehatte. Die Ex-Bundesministerin war bereits Vorsitzende des Beirats der Berliner Malteser. Nun wird sie die Arbeit der gut 800 ehrenamtlichen Helfer koordinieren und leiten. Helfen soll ihr dabei nicht nur ihre Führungserfahrung, sondern auch ihr Glauben.

Die 48-Jährige wuchs in einem tiefgläubigen Elternhaus in Dortmund auf, trat aber Anfang der 90er-Jahre aus der katholischen Kirche aus, weil der Glaube mit ihrer damaligen trotzkistischen Überzeugung nicht übereinstimmte. Doch verlassen hat er sie offenbar nie. Den Amtseid als Ministerin leistete sie mit der Formel "So wahr mir Gott helfe", und 2001, nach ihrem Rücktritt als Ministerin, trat sie wieder in die katholische Kirche ein - unabdingbare Voraussetzung für das Amt der Diözesanleiterin.