Der Direktor von Zoo und Tierpark, Bernhard Blaszkiewitz, hat im Abgeordnetenhaus Vorwürfe zu Missständen bei Zucht, Haltung und Handel zurückgewiesen. "Kein einziges Tier, außer vielleicht einer Ameise und einer Honigbiene, ist verschwunden", sagte er. Der 55-Jährige musste in einer zweieinhalbstündigen Anhörung im Umweltausschuss den Parlamentariern Rede und Antwort stehen. Denn die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling hatte ihn vor einem Monat bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Ihr Verdacht: Hunderte von Zoo-Tieren seien im Lauf der Jahre beim Schlachter gelandet, an dubiose Händler verkauft oder nach China geliefert worden. Dort sollen Tiger und Jaguare zu Potenzmitteln verarbeitet worden sein. Außerdem sei es zu Hybridbildung und Inzest-Paarungen gekommen.
Blaszkiewitz hielt generell entgegen, dass Zuchtbücher korrekt geführt werden. Zoo und Tierpark fühlten sich dem Tier- und Artenschutz verpflichtet. "Es gibt keine mysteriösen Umstände. Die ganze Sache löst sich in Wohlgefallen auf", sagte er.
Hinsichtlich der Zucht konnte Blaszkiewitz Zweifel ausräumen. Er erklärte, dass die Verpaarung zwischen Panther und Java-Leopard möglich sei, weil in dem betreffenden Fall auch der Panther ein Java-Leopard gewesen sei - Panther sei schlicht ein anderes Wort für Leopard. Der Nachwuchs sei nach Frankreich gegangen. Inzest komme bei Giraffen in freier Natur und im Zoo vor und sei bis zu einem bestimmten Grad ungefährlich.
Kooperation mit Tierschutzverein
Auf die Bestandsentwicklung und den Verbleib etlicher Zoo-Tiere ging der Direktor nicht minuziös ein, bot aber den Behörden Einblick in die Bestandsbücher an, in denen jede Geburt und jeder Abgang aufgeführt seien. Auch zeigte er zu einer separaten Auflistung bereit - aber nicht für die Öffentlichkeit, sondern für Veterinärämter und Naturschutzbehörden.
Da das Schicksal von Tigern und Jaguaren, einem Zwergflusspferd und einer Kragenbärenfamilie in der gestrigen Anhörung unklar blieb, fordert der Grünen-Politiker Michael Schäfer weitere Aufklärung durch den Senat. Mirko Dragowski (FDP) und Daniel Buchholz (SPD) wollen die Idee des Tierschutzbeauftragten Klaus Lüdcke aufgreifen und gemeinsam mit Blaszkiewitz den Verbleib jedes einzelnen Tieres aufarbeiten. Lüdcke hatte sich bereits mündlich von Blaszkiewitz bestätigen lassen, dass es Unterlagen dazu gebe. "Ich habe aber keinen Einblick mehr genommen, da Frau Hämmerling die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat", so Lüdcke gestern. Blaszkiewitz sagte, dass die Beamten "bis heute noch nicht bei mir nachgefragt haben".
Uneinigkeit herrschte auch bei der Interpretation des WAZA-Kodexes, also den Selbstverpflichtungen des Zoo-Weltverbandes. So sollen Zoo-Tiere nur an Häuser mit WAZA-Standards abgegeben werden. Ob die chinesische Einrichtung, an die mehrere Tierpark-Tiger geliefert wurden, diese Standards erfüllt, blieb gestern offen.
"Wir lehnen den Verkauf von Zoo-Tieren nach China generell ab, weil der Überblick über die Haltungsbedingungen fehlt", sagte Wolfgang Apel vom Deutschen Tierschutzverband. Blaszkiewitz betonte die Legalität seines Vorgehens: "Wir haben die nötigen Bescheinigungen des Bundesamtes für Naturschutz eingeholt."
Der Tierpark-Direktor hat erstmals sein Bedauern darüber geäußert, im Tierpark vier verwilderten Kätzchen das Genick gebrochen zu haben. "Es ist nicht zu ändern, ich habe es gemacht. Na klar, heute würde ich es nicht mehr tun. Ich bin 17 Jahre älter". Staatssekretär Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) von der Umweltverwaltung sagte, der Fall sei verjährt, und: "So etwas darf sich in Zoo und Tierpark niemals wiederholen."
Der Fall hat dennoch Folgen: Bernhard Blaszkiewitz erklärte sich zu einer Kooperation mit dem Berliner Tierschutzverein bereit. Es geht um frei lebende Tiere auf dem Zoogelände wie Katzen und Füchse. Apel, der auch Vorsitzender des Tierschutzvereins ist, sagte: "Wir holen streunende Katzen ab, kastrieren sie und setzen sie aus. Erschlagen werden wir sie nicht."





