Leseranwalt Konrad Jahr-Weidauer

Jobcenter zahlte nur halbe Miete

| Lesedauer: 3 Minuten

Hartz-IV-Empfänger haben es nicht leicht. Besonders dann wird es problematisch, wenn das gesetzlich zustehende Geld nicht oder nur zum Teil überwiesen wird.

Wenn dann aber ein Hartz-IV-Empfänger 23 Monate auf das ihm zustehende Geld warten muss, kann einem Betroffenen schon der Kragen platzen.

Dennis Ingo Schulz aus Reinickendorf wohnt seit rund zwei Jahren mit seinem Bruder in einer gemeinsamen Wohnung mit zwei getrennten Bereichen in Reinickendorf. Beide leben von Hartz IV. Bruder Dirk Erik, 26 Jahre alt, hat einen eigenen Mietvertrag, ebenso Dennis Ingo Schulz. Die Miete beträgt insgesamt 720 Euro, also steht jedem der beiden Brüder jeweils der gesetzlich festgelegte Hartz-IV-Mietbeitrag in Höhe von 360 Euro zu.

Bruder Dirk Erik erhielt auch von Beginn seines Einzuges an per Zuwendungsbescheid 360 Euro als Kosten für Unterkunft und Heizung vom Jobcenter Reinickendorf überwiesen. Nicht aber der ein Jahr ältere Dennis Ingo. Diesem verweigerte man zunächst die Übernahme der anteiligen Kosten für Unterkunft und Heizung. Nach monatelangen Kämpfen gelang es dem Reinickendorfer, eine Entscheidung herbeizuführen. Allerdings erhielt er nach sechs Monaten nicht die gleiche Summe wie sein Bruder, sondern nur 222 Euro, die man auf einen Schlag nachzahlte. Es fehlte aber bis zum Oktober 2008 immer noch die Differenz in Höhe von monatlich 138 Euro.

Brüder wie ein Ehepaar behandelt

"Alle Versuche, eine Gleichbehandlung zu erreichen, scheiterten", sagte der 27-jährige Diplomingenieur für erneuerbare Energien dem Leseranwalt. Immer wieder sei er beim Jobcenter vorstellig geworden, immer wieder wurde eine Prüfung zugesichert. Zunächst habe das Jobcenter die beiden wegen der gemeinsamen Adresse wie ein Ehepaar behandelt. Beide wurden als Bedarfsgemeinschaft eingestuft. "Dabei hat jeder von uns seinen eigenen, abgetrennten Wohnbereich, und es gibt für jeden einen eigenen Mietvertrag", sagt Dennis Ingo Schulz. Die Wohnung gehört den Eltern der Brüder. Die Eltern müssten für die Eigentumswohnung noch jahrelang einen erhebliche Kredit abzahlen.

Für ihn ist unstrittig, dass ihm das Geld zustand. Vor 14 Tagen dann "die große Überraschung": Dem Reinickendorfer wurden für die Monate Juli und August 2007 (!) jeweils 138 Euro nachgezahlt.

Nun fehlte aber immer noch die Summe von 2898 Euro für die anderen 21 Monate. Er argwöhnte, dass mit dem "Zweimonatsabschlag" alle noch ausstehenden Beträge sich erledigt haben könnten, und wandte sich an den Leseranwalt um Hilfe. Das Jobcenter bestätigte dem Leseranwalt, dass Dennis Ingo Schulz der Mietzuschuss in voller Höhe - also 360 Euro - zustehe. Man versprach, sich des Falles erneut anzunehmen.

Es vergingen keine drei Tage, und Ralf Sternberg vom Jobcenter Reinickendorf rief in der Redaktion der Berliner Morgenpost an: "Der Überprüfungsantrag ist jetzt durch, und wir werden die gesamte Summe an Herrn Schulz nachzahlen."

Haben Sie Ärger mit Behörden? Werden Ihnen Leistungen verweigert, die Ihnen zustehen? Gibt es in Ihrem Kiez Ärgernisse, die Sie und Ihre Nachbarn stören? Will ein Geschäft einen "Fehlkauf" nicht zurücknehmen? Der Leseranwalt kümmert sich darum. Wir bringen den Amtsschimmel auf Trab. Wie schwierig es auch sein mag - wir bleiben dran und haken nach. Und wir berichten über die Sorgen, Probleme und Anregungen unserer Leser.