Der Straßenstrich an der Oranienburger Straße breitet sich aus. Inzwischen stehen die Prostituierten an den Hackeschen Höfen und vor den Designerläden an der Rosenthaler Straße. Täglich ab 20.50 Uhr spielen sich im Szene-Kiez rund um den Hackeschen Markt die gleichen Szenen ab. "Die Frauen kommen in mehreren Gruppen, meistens zu dritt, aus Richtung U-Bahnhof Weinmeisterstraße und flanieren auf der Rosenthaler Straße", sagt die Kellnerin einer Bar an den Hackeschen Höfen.

Wie Anlieger berichten, bleiben sie seit ungefähr drei Wochen auch dort stehen, um ihre Dienste anzubieten, während sie früher die Rosenthaler nur als Durchgangsweg zur Oranienburger Straße benutzt hätten. Die Geschäftsleute stört das neue Treiben bisher wenig. Axel-H. Müller, vor dessen Schreibwarengeschäft sich zu später Stunde seit geraumer Zeit eine junge Frau postiert, sieht dies mit Humor: "Das ist doch eine tolle Werbung, wenn so schöne Mädchen vor den Schaufenstern stehen." Zudem seien die Läden bereits geschlossen, wenn die Prostituierten auftauchten.

Ähnlich gelassen sieht es auch die Store Managerin eines großen Mode-Labels. Sie habe von einer Ausweitung des Straßenstrichs überhaupt noch nichts mitbekommen. "Wer das hier ernsthaft mit der Reeperbahn vergleicht, der ist wohl noch nie in Hamburg gewesen", sagt sie.

ebe