Tempo, Tempo, Tempo - der Lehrter Bahnhof wird zum Hochgeschwindigkeitsknoten im Schienennetz der Bahn. Zwar ist die Mammutstation im Spreebogen noch nicht fertig, doch die Netzmanager der DB AG tüfteln bereits an seiner «Fahrplaneintaktung». Und die sieht drastische Fahrzeitverkürzungen vor.
So wird etwa die Reisedauer nach München durch den Ausbau der durch Lichterfelde führenden Anhalter Bahn und der Trassen in Thüringen fast halbiert. Statt in 6.55 Stunden soll die Isar-Metropole künftig in 3.45 Stunden erreichbar sein. Die erste Beschleunigung wird es 2006 geben. Die Zielzeit wird aber erst 2012 erreicht, wenn die gesamte Strecke fertig ist.
Auch die 296 Kilometer lange Distanz nach Hamburg wird auf Tempo getrimmt. Für 700 Millionen Euro wird die Trasse bis Ende 2004 von Tempo 160 auf 230 ausgebaut, so dass der ICE bis an die Alster nur noch 1.33 Stunde benötigt. Zurzeit beträgt die Reisedauer noch bis zu 2.28 Stunden.
Die Trasse zur Messestadt Leipzig wird für 59 Minuten ertüchtigt - Rekord. Nach geltendem Fahrplan brauchen Kunden 1.47 Stunde. Noch 1990 waren Passagiere deutlich mehr als zwei Stunden unterwegs.
Die erstaunlichen Fahrzeitverkürzungen basieren auf den neuen Strecken, die eigens für den Lehrter Bahnhof gebaut werden. So sind die 59 Minuten nach Leipzig nur möglich, weil die ICE künftig durch den Tiergartentunnel auf kürzestem Wege durch den Süden Berlins fahren. Dasselbe gilt für die Fahrzeitverkürzungen ins europäische Ausland. Die Reisezeitgewinne auf der Strecke Dresden/Prag werden durch den Neubau der Dresdner Bahn möglich, die durch Lichtenrade bis zum Lehrter Bahnhof führt.
Doch es gibt auch Wermutstropfen. So soll zwar bis 2006 etwa die Fahrzeit nach Frankfurt/O. von 73 auf 60 Minuten verkürzt werden. Doch bereits 1936 benötigten Züge für die 90 Kilometer lange Distanz nur eine dreiviertel Stunde. Die IHK hat deshalb jetzt eine verbesserte Anbindung Berlins über Frankfurt/O. nach Warschau gefordert. Während die Polen auf ihrer Seite die Trasse bereits auf 160 km/h ausgebaut haben, wird der deutsche Abschnitt nicht vor 2006 fertig.
Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) kritisiert, trotz positiver Entwicklungen fokussiere die Bahn bei ihren Investitionen immer noch zu stark auf den Westen Deutschlands. «Ihre Manager müssen aber begreifen, dass Berlin durch die EU-Erweiterung in die Mitte Europas rückt.» Die DB AG weist das zurück. Bis zum Jahr 2010 investiere sie allein an der Spree zehn Milliarden Euro.

