Neue Spur im Mordfall Graalfs

In einem der spektakulärsten Mordfälle Berlins gibt es eine neue heiße Spur. Die Kriminalpolizei wertet einen Satz auf einem Anrufbeantworter als Hinweis auf den möglichen Mörder der geschiedenen Unternehmer-Gattin Ilse-Maren Graalfs. Die damals 55-Jährige war im März 1997 ermordet worden. Den Torso hatte ein Jagdpächter an der Autobahn Richtung Hamburg in der Nähe der Ausfahrt Ludwigslust entdeckt. Der Kopf der Leiche ist bis heute nicht gefunden worden.

«Wenige Tage nach dem Mord hatte ein bislang unbekannter Mann einen Satz auf einen Anrufbeantworter gesprochen, der nach unseren Erkenntnissen eindeutig für Frau Graalfs bestimmt war. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen wir allerdings nicht mitteilen, wo sich das Telefon befunden hatte», erklärt der Leiter in dem Fall ermittelnden 6. Mordkommission, Konrad Zehnpfenning. Der Anrufer hatte eine obszöne Bemerkung geäußert, die unter der Telefonnummer 699 32 7101 abgehört werden kann. Die Ermittler der Mordkommission interessiert natürlich, ob jemand die Stimme erkennt. Hinweise nehmen die Kriminalisten unter Tel.: 699 32 7161 entgegen.

Die neue Spur ist das Ergebnis der so genannten operativen Fallanalyse, mit der Täterprofile erstellt werden. Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Mörder die attraktive Frau Graalfs aus der Distanz begehrt habe. Sie müsse davon nichts gewusst haben. Der Telefonmitschnitt belege, dass der Anrufer ein gestörtes Verhältnis zu der Frau gehabe habe und verklemmt sei. Die Kriminalisten vermuten nun, dass der Mann Kontakt zu Frau Graalfs gesucht habe und zurückgewiesen worden sei.

Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass in der Wohnung der Ermordeten an der Xantener Straße in Wilmersdorf der Wandsafe geöffnet und Schmuck im Wert von etwa 100 000 Mark gestohlen worden war. Neben den Schmuckstücken hatte der Täter auch mehrere kleine Elefantenfiguren entwendet. Eine von ihnen war ein elfenbeinweißer Elefant, der als Schlüsselanhänger gedient hatte. Eine andere Elefantenfigur war mit türkisfarbenen Steinen besetzt, die ebenso wie die Ohrränder und Fußsohlen in Gold gefasst waren. In diesem Raub sah die Polizei bislang das Motiv für den Mord. «Wir gehen nach wie vor allen Spuren nach. Möglicherweise hatte der Täter die Frau begehrt und nach dem Mord noch ihren Schmuck gestohlen», sagt Konrad Zehnpfenning von der Mordkommission.

Ilse-Maren Graalfs war die geschiedene Frau des Berliner Bauunternehmers Dieter Graalfs. Sie war am 21. März 1997 spurlos verschwunden. An jenem Abend hatte sie noch in ihrem Hausverwalterbüro an der Trabener Straße in Grunewald gearbeitet. Dieses hatte sich in den Räumlichkeiten einer Architekturfirma eines Hamburger Unternehmens befunden. Mit einem der beiden Geschäftsführer war die Frau zum Zeitpunkt des Mordes seit einiger Zeit liiert.

Vier Tage nach ihrem mysteriösen Verschwinden war ihre Leiche ohne Kopf entdeckt worden. Der Fundort war nicht der Tatort. «Die Frau war auch nicht sexuell missbraucht worden», sagt Zehnpfenning. Der dunkle Mercedes der Ermordeten, ein Firmenwagen mit dem Kennzeichen B-HP 241, hatte wochenlang im Hamburger Stadtteil St. Georg gestanden. Autoschlüssel und Papiere fehlten.

Bekannte der Frau hatten die Ermordete als erfolgreich, selbstbewusst und attraktiv beschrieben. Sie sei kontaktfreudig gewesen und habe als Ex-Ehefrau des Bauunternehmers Dieter Graalfs eine exponierte Stellung genießen dürfen. Die Familie der Ermordeten will ihren Beitrag zur Aufklärung des Falles leisten, indem sie eine Belohnung in Höhe von 50 000 Euro für Hinweise ausgelobt hat, die zur Festnahme des Mörders führen.