Manche Menschen sagen, Ally McBeal sei unerträglich, eine neurotisch-hysterische Anwältin mit dem Single-Stempel auf der Stirn: Mann gesucht! Das sind die, die nicht jeden Dienstag um 22.10 Uhr vor dem Fernseher sitzen, um die neueste Folge zu inhalieren. Ally-Fans sagen: Sie ist liebenswert, sie hat Macken, sie ist so wie wir. Und weil man gute Freundinnen auch mal besucht, trafen sich mehr als 2000 Frauen (und ein paar Männer) am Dienstagabend im Blu am Marlene-Dietrich-Platz, um gemeinsam die Startfolge der fünften und letzten Ally-McBeal-Staffel zu sehen und ihr liebenswertes Nervenbündel zu feiern.

Mitten im Trubel und neben der ersten von insgesamt 21 Folgen waren das Highlight des Abends drei Menschen und ihre Stimmen. Daniela Hoffmann (Ally, Julia Roberts), Tobias Meister (John) und Oliver Rohrpeck (Richard, Ben Stiller, Justus Jonas von den «Drei ???») synchronisierten die deutsche Fassung - der Abschiedsschmerz war ihnen anzumerken. «Fünf tolle Jahre», sagt Tobias Meister, der auch Brad Pitt und Yoda (Krieg der Sterne, Episode 2) spricht. John war für ihn eine echte Herausforderung, denn: «John hat durch seine Sprachticks nämlich keinen normalen Redefluss. Und in seinen Plädoyers spricht er schnell und sagt sehr intelligente Dinge.»

Drei Synchronsprecher mögen ja spannend sein, aber als es um 22.10 Uhr auf Vox endlich losgeht, sind sie schnell vergessen. Hingerissen sitzen die Fans auf dem Boden der Tanzfläche. «Ally zeigt, dass es okay ist, auch ein bisschen anders zu sein», sagt Patricia Ernst (20), die sich seit zwei Jahren jeden Dienstag mit ihren Freunden Mareike Feiler (19) und Matin Tirmizi (20) trifft. Das Ritual des Trios: erst gemeinsam kochen und dann aufs Sofa vor den Fernseher. Am nächsten Morgen sehen sich die drei schon wieder - an der Uni, wo sie im ersten Semester Jura studieren. Patricia: «Ich wusste nach der Schule nicht genau, was ich machen soll. Durch Ally bin ich auf Jura gekommen. Bis jetzt ist das auch ganz gut.»

Einer, der das Paragrafen-Studium zwar schon hinter sich hat, aber mit Ally McBeal gar nichts anfangen kann, ist Sven Jürgens (34). Auf der Suche nach einem After-Work-Club ist der Anwalt zufällig auf die Ally-Party geraten. «Ich kenne die Frau gar nicht, aber sie sieht ganz nett aus», sagt er, nimmt noch einen Schluck Bier und beobachtet die aufgeschickten Frauen. Wer es nicht besser weiß, könnte fast meinen, er sei in der Martini-Bar irgendwo in Boston, und Ally McBeal kommt gleich um die Ecke. sheu