Schauspielerin angefahren und getötet: Geldstrafe

Wer sie in einer ihrer vielen Rollen in Fernsehfilmen oder gar im Deutschen Theater gesehen hat, wird sich noch gut an Marga Legal erinnern: eine zierliche, quirlige Frau mit einem auf dem ersten Blick naiven, auf dem zweiten Blick aber hintergründigen Gesichtsausdruck. Ob es beim «Tatort» war oder bei «Polizeiruf 110».

Und es ist auch gut vorstellbar, wie die sehschwache, körperlich behinderte Schauspielerin am 30. Oktober in Pankow mit kurzen, eiligen Schritten eine Straße überquerte. Der 23-jährige Jimmy J. kann diese Bewegung vor einem Verkehrsgericht gut darstellen. Gebückt läuft er durch den Gerichtssaal, hinkend und doch sehr flink. Doch nicht flink genug, um glaubhaft machen zu können, dass er die 93-Jährige nicht sehen konnte. Er hatte sie an jenem Tag gegen Mittag mit seinem BMW angefahren. Marga Legal starb zwei Stunden später im Krankenhaus. Und Jimmy J., arbeitsloser Fensterputzer, steht nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Meist spielen bei solchen Prozessen Alkohol oder zu hohe Geschwindigkeit die entscheidende Rolle. Das ist hier nicht der Fall. Es war ein merkwürdiger Unfall: Jimmy J. fährt mit rund 50 Stundenkilometern auf der rechten Spur der Straße, links neben ihm zuckelt etwas langsamer ein Kleintransporter. Dessen Fahrer hatte die von links kommende Marga Legal noch gesehen: «Ich musste nicht bremsen», sagt er. «Sie war weit genug weg.»

Jimmy J., der nach Meinung eines Sachverständigen genug Zeit zum Stoppen hatte, will jedoch «total überrascht» gewesen sein. Die alte Dame überquerte noch vor seinem Auto die Straße und wurde erst erfasst, als sie den Gehsteig schon fast erreicht hatte.

Die Frage sei, so der Richter, warum J. sie nicht sah, obwohl er sie hätte sehen müssen: «War er abgelenkt? Oder gelähmt vor Schreck?» So oder so - es bleibt fahrlässige Tötung. J. muss 1750 Euro Strafe zahlen. Den Führerschein behält er. Weil eine Wiederholung nicht zu befürchten sei.