Die S-Bahn ist der Zeit weit voraus - zumindest in ihren Prospekten. In Ihrem neusten Heft «Reisen in der Stadt» hat das Verkehrsunternehmen einen Plan abgedruckt, der auch noch gar nicht existierende Linien zeigt. In der ohne Jahresangabe und schlicht mit «Zielnetz» beschriebenen Grafik wurden von flinker Hand schon einmal die Linien S 6, S 45 und S 85 bis an den Lehrter Zentralbahnhof gezeichnet.
Die Züge dieser Linien werden aber aller Voraussicht nach erst vom Jahr 2006 an, dem geplanten Inbetriebnahmedatum des «Lehrter», dorthin rollen können. Noch ist die Trasse im Bau. Sie soll einmal als Teil der so genannten S 21-Strecke den Nord- und Südring mit dem Lehrter Bahnhof als zentralem Haltepunkt verbinden.
Weil zu wenig Geld da ist, wird die Trasse jedoch vorerst nur vom Nordring bis zum Lehrter Bahnhof fertig gebaut. Das Land ist dafür in Vorleistung gegangen. Denn ein späterer Baubeginn wäre teurer geworden. Mehr als 50 Millionen Euro sind bereits ausgegeben worden. Die Gesamtkosten werden auf mindestens 150 Millionen Euro geschätzt. Am «Lehrter» müsste auch noch ein unterirdischer Bahnhof für die S 21 gebaut werden.
Dort soll aber zunächst Endstation für die S-Bahn sein, denn für die Verlängerung Richtung Süden ist, wie gesagt, bislang kein Geld da. S-Bahnen müssen deshalb von 2006 an vorerst über eine ebenfalls noch im Bau befindliche «Spitzkehre» und den neuen Bahnhof Perleberger Brücke zurück zum Nordring und von dort weiter Richtung Westhafen oder Wedding fahren.
Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Alexander Kaczmarek, fordert jetzt, den S 21-Tunnel fertig zu bauen. «So lange noch im Spreebogen gebaut wird und die Bahn dort ohnehin mit schwerem Gerät unterwegs ist, sollte man die Gunst der Stunde nutzen und den S 21-Tunnel vollenden», sagt Kaczmarek. Der Bund sei mit dem nahen Reichstag und den Parlamentsbauten einer der Haupt-Nutznießer und könne daher auch einen Großteil der Kosten tragen.
Viel fehlt tatsächlich nicht zur Vollendung des S 21-Bauwerks - es würde 65 Stationen miteinander verbinden. Ein in den 30er-Jahren errichteter, aber bis heute ungenutzter S-Bahntunnel reicht bereits vom Potsdamer Platz bis zur Behrenstraße. Von dort aus wäre östlich am Reichstag vorbei nur noch ein etwa 650 Meter langes Stück bis zum Lehrter Bahnhof zu bauen.
Unterhalb des Ebertplatzes am Reichstag wurden bereits die Voraussetzungen für einen weiteren S-Bahnhof geschaffen. Das unterirdische Erschließungssystem des Hohen Hauses wurde so angelegt, dass die S 21 unter diesen Tunnels «durchschlüpfen» kann. Der Lückenschluss würde Experten zufolge etwa 650 Millionen Euro kosten.

