Die Justizsenatorin stellte den Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs für das mit 118,5 Millionen Euro kalkulierte Bauvorhaben Heidering vor. Bereits kurz vor Weihnachten hatte das österreichische Architektenbüro "hohensinn architektur" aus Graz den begrenzt offenen Realisierungswettbewerb, an dem sich 15 Architekturbüros beteiligten, für sich entschieden. "Der Siegerentwurf zeichnet sich dadurch aus, dass er die funktionalen Vorgaben gerade im Sicherheitsbereich und die Anforderungen an einen modernen Justizvollzug in ein stimmiges Gesamtkonzept überführt", sagte von der Aue gestern. Der Entwurf für das Männer-Gefängnis südlich von Berlin schaffe zeitgemäße Lebens- und Arbeitsbedingungen sowohl für die Häftlinge als auch für die Justizvollzugsbediensteten.

Die Grazer Architekten hatten bereits mit dem Bau des 2005 eröffneten, lichtdurchfluteten Justizzentrums Loeben in der Steiermark international viel Beachtung gefunden. Der Entwurf für das Gefängnis mit 648 Haftplätzen in Großbeeren sieht drei x-förmige, nebeneinanderliegende Bauten für die Unterbringung der Häftlinge vor. Diese werden über eine Haupterschließungsachse mit den Arbeitsbereichen und Räumen für Freizeit und Sport verbunden. Die Haupterschließungsachse nannte von der Aue ein Novum in der Gefängnisarchitektur, da diese "Vollzugsmagistrale" aufgrund der kurzen Wege eine "wenig personalintensive Überwachung" ermögliche. Ebenfalls ein Novum sei die geplante Konzeption zur Beschäftigung der Häftlinge. So sollen private Unternehmen wie zum Beispiel aus der Metall- und Elektrotechnikbranche sich in den drei geplanten Werkshallen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen.

Ziel ist eine Beschäftigungsquote bei den Häftlingen von 75 Prozent. In der JVA in Tegel liegt die Quote nach Angaben der Senatorin derzeit bei 60 Prozent. Überdies sind 70 Schulplätze geplant, um eine besserer Resozialisierung der Inhaftierten zu gewährleisten. Entsprechendes Personal werde dafür eingestellt, kündigte von der Aue an. Insgesamt werden in dem neuen Gefängnis 300 Arbeitsplätze für Bedienstete geschaffen. Mit der neuen Haftanstalt mit einer Nutzfläche von 2,8 Hektar könne man die Überbelegung der Gefängnisse in Berlin abbauen, so die Senatorin. Die Zellen werden zehn Quadratmeter groß sein und nicht über warmes Wasser verfügen.

Mit 118,5 Millionen Euro handelt es sich nach Angaben der Justizsenatorin um ein erhebliches Investitionsvolumen. Doch im Vergleich mit modernen Gefängnissen in anderen Bundesländern liege man kostengünstig.

So kostet ein Haftplatz in Großbeeren 182.870 Euro, in Sehnde in Niedersachsen dagegen 210.367 Euro, in Hünfeld/Hessen allerdings nur 148 973 Euro.

Der justizpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sven Rissmann, forderte den Senat gestern auf, dafür zu sorgen, dass der Neubau spätestens wie von der Justizsenatorin angekündigt Ende 2011 bezugsfertig sei und ohne weitere Kostenexplosionen fertiggestellt werde. "Es wird höchste Zeit, dass endlich Bewegung in dieses wichtige Bauvorhaben kommt, nachdem die Neubaupläne von Rot-Rot jahrelang in Frage gestellt worden sind. SPD und Linkspartei haben viel Zeit verschenkt und dadurch die chronische Überbelegung in Berlins Haftanstalten über viele Jahre festgeschrieben", sagte Rissmann. Planungschaos habe zudem zu einer Kostenexplosion innerhalb kurzer Zeit von rund 87 auf knapp 120 Millionen Euro geführt.

Die Ergebnisse des Realisierungswettbewerbs für die Haftanstalt in Großbeeren sind ab morgen bis zum 27. Februar montags bis freitags von 12 bis 19 Uhr in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Württembergische Straße 6 in Wilmersdorf, ausgestellt.