Tempodrom-Konkurrent zieht vor Gericht

Die geplante zusätzliche Finanzspritze von 900 000 Euro für das Kreuzberger Tempodrom beschäftigt jetzt auch die Gerichte. Die Betreiber der Columbiahalle am Flughafen Tempelhof haben beim Berliner Verwaltungsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die weitere Subventionierung des Tempodroms beantragt.

«Wir befürchten durch die weitere Subventionierung eine Wettbewerbsverzerrung, die in die Berufsausübungsfreiheit eingreifen würde», begründete Rechtsanwalt Markus Milde gestern den Vorstoß der Hallenbetreiber Donald und Robert Karas. Bereits im vergangenen Jahr habe die Columbiahalle an die 30 Veranstaltungen an das Tempodrom verloren. Mit etwa 3500 Stehplätzen haben beide Veranstaltungshäuser etwa die gleiche Kapazität.

«Die Columbiahalle zahlt Steuern, während das Tempodrom nur Steuergelder schluckt», sagt Anwalt Milde, der bis Anfang nächster Woche eine Entscheidung zu dem Antrag erwartet. Es dürfe auch nicht sein, dass das mit Millionen von Euro öffentlich subventionierte Tempodrom nun vom Senat zum «Schleuderpreis» verkauft werde. Seine Mandanten hätten deshalb auch bei Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) um einen Gesprächstermin gebeten, so der Rechtsanwalt.

Bei anderen Berliner Veranstaltern löst das juristische Vorgehen der 1998 gegründeten Columbiahalle ein uneinheitliches Echo aus. Als «absurd und unkollegial» bewertet Falk Walter, Inhaber der Treptower Arena, den Schritt der Karas-Brüder. Tempodrom-Gründerin Irene Moessinger habe «einiges geleistet, jetzt kann man sie nicht einfach hängen lassen.» Jedoch seien die Finanzprobleme des Tempodroms nicht über Nacht entstanden, die verantwortlichen Politiker hätten «viel früher die Notbremse ziehen sollen», so Walter, dessen Arena auf bis zu 7500 Stehplätze angelegt ist.

Verständnis für den Standpunkt der Columbiahalle hat dagegen Veranstalter Jacques Ihle, der seit 20 Jahren das Metropol am Nollendorfplatz betreibt. «Je mehr subventioniert wird, um so schlechter für die Freien», sagt Ihle, dessen Haus in drei Räumen knapp 2000 Menschen fasst. Während er im Monat an die 50 000 Euro allein für Miete erwirtschaften müsse, hänge das Tempodrom am öffentlichen Tropf. «Dabei ist das doch alles Kommerz, was da abläuft, ich denke nur an Holiday on Ice.»

Differenziert sieht man das Problem in Berlin-Arena und Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg. «Ich sehe eigentlich eine Subventionierung des Tempodroms auf Dauer», sagt Sally Rotholz von der Velomax Berlin GmbH. Die private Betreibergesellschaft hat ihre Hallen vom Land gepachtet und bekommt Zuschüsse für Vereinsport und offizielle Sportevents. Mit einer Kapazität von bis zu 12 000 Zuschauern bei Rockkonzerten spielt das ehemalige Velodrom allerdings auch in einer anderen Klasse als Tempodrom und Columbiahalle. Für die Position der Gebrüder Karas habe er zumindest Verständnis, sagt Sally Rotholz.

Gegen eine außerplanmäßige Finanzspritze für das Tempodrom hatte sich bereits die CDU ausgesprochen, die Grünen können sich eine letzte Zahlung nur in direktem Zusammenhang mit einem Verkauf vorstellen. Finanzsenator Sarrazin gibt zu bedenken, dass bei einer Pleite des Veranstaltungshauses das Land über eine Bürgschaft mit mehr als 10 Millionen Euro haften muss. Bei einer Ablehnung durch den Haushaltsausschuss müssten neue Lösungen gesucht werden.

Seit seiner Eröffnung am Standort Anhalter Bahnhof vor zwei Jahren wird das neue Tempodrom vor allem durch die Zinszahlungen für die von 16 auf 30 Millionen Euro gestiegenen Baukosten gedrückt.