Vom Berliner Obdachlosen zum gefragten Werbestar

Weißes Oberhemd, lachsfarbene Krawatte, Drei-Tage-Bart und so ein sexy Blick von der Seite mit hochgezogener linker Augenbraue. Dieser Mann, der einem diesen frechen Seitenblick von den Werbeplakaten des Stromanbieters Eon zuwirft, er könnte Schauspieler sein. Ist er auch, wie man bei Johannes B. Kerner am Freitagabend erfahren konnte. Doch das ist es nicht, was einen an Rolf Fahrenkrog-Petersen fasziniert. Es ist die Vita des Berliners.

Der smarte 46-Jährige, der mehr als zehn Jahre sprichwörtlich in der Berliner Gosse gelegen hat, für den sich in dieser Zeit jeden Tag alles nur um drei Flaschen Schnaps drehte, der in tiefe Depressionen verfiel und sich zwei Mal das Leben nehmen wollte, dieser Mann, der so lange am Kottbusser Tor auf der Straße lebte, er hat es geschafft. Aus eigener Kraft hat er sich am Schopf aus dem Rinnstein gezogen.

Geholfen hat ihm der damalige Chef des Obdachlosentheaters «Die Ratten». Der entdeckte 1993, dass der notorische Säufer vom Kottbusser Tor Talent hat. Denn mit Charme und Witz schaffte es Fahrenkrog-Petersen, sich seinen Unterhalt zusammenzuschnorren. Der Theatermann suchte für «Warten auf Godot» noch einen Darsteller. Zwar verkrachten sich die beiden schon bei der ersten Probe, doch bei Fahrenkrog-Petersen hatte an diesem Tag «irgendwas im Kopf Klick gemacht». Er wollte Theaterspielen. «Und ich wusste, eins geht nur: Saufen oder Spielen.» Er entschied sich fürs Spielen und für den kalten Entzug.

Das war «knallhart», erzählt er. Im Delirium habe er «die schlimmsten Albträume als Realität erlebt». Nach dem Entzug ging er wieder zum Theater und machte Karriere, spielte unter anderem mit in Brechts «Brotladen», hatte bald eine Filmrolle als Knacki in Detlev Bucks «Männerpension» und bekam die Hauptrolle in «Kleingeld», einem einst Oscar-nominierten Kurzfilm von Borchert. Und: Rolf Fahrenkrog-Petersen hat sich selbständig gemacht, mit einem Laden für Mützen, die er selbst häkelt. «Es fasziniert mich, etwas eigenes zu schaffen.» Jahrelang sei er «Sklave der Flasche» gewesen.

Doch Fahrenkrog-Pertersen war sicher nicht der «typische» Obdachlose. Aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammend, fühlte er sich irgendwann überfordert mit den Ansprüchen, die an ihn gestellt wurden. Mit 15 Jahren flüchtete er vor den Anforderungen auf die Straße. «Ich wollte frei sein». Die Freiheit endete in der Perspektivlosigkeit und nicht selten auf einer Intensivstation. Doch es gab auch andere Momente in dieser Phase seines Lebens. Oft saß er in der Amerika-Gedenkbibliothek und las Theaterstücke oder Romane, neben dem Buch die Schnapsflasche.

Die Exzesse sind vorbei. Rolf Fahrenkrog-Petersen ist trocken, liiert und Vater eines Sohnes. Als Ex-Obdachloser kann er seinen ehemaligen Kumpels nur eines raten: «Jeder muss es selbst schaffen.»