„Bleib mir vom Leib mit Deinem Cappuccino-Quirl!“ Martin Schwarz hat diesen Spruch schon oft gehört. Er lächelt – und gibt Gas. Im übertragenen Sinn natürlich nur, denn der Antrieb am Heck seines Bootes ist unabhängig von fossilen Treibstoffen. Gleichmäßig beschleunigt das Holzboot auf der Scharfen Lanke bis auf fast 20 Kilometer pro Stunde. Mehr als die doppelte Geschwindigkeit wäre möglich, aber auf der Scharfen Lanke gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung. „Von wegen Cappuccino-Quirl“, sagt Schwarz, ohne dabei schreien zu müssen, wie er es wohl auf einem Motorboot mit Verbrennungsmotor bei diesem Tempo tun müsste.

Martin Schwarz, beim süddeutschen Motoren-Hersteller Torqeedo für den Vertrieb eines neuen Elektro-Motors mit 80 PS Leistung zuständig, nimmt Geschwindigkeit aus dem Boot und wenige Sekunden später gleitet es wieder fast geräuschlos über das Wasser. „Bei diesem Tempo könnten wir einen halben Tag lang fahren. Das reicht, um mehrere große Seen in Berlin zu erkunden.“

Angetrieben wird das Boot von einem neuen System, das es in der Bootswelt so bisher nicht gegeben hat. Mit „Deep Blue“ hat Torqeedo einen Antrieb gebaut, der die Fachwelt so sehr überzeugte, dass die Starnberger Firma damit gleich zwei Preise gewinnen konnte – zum einen im vergangenen Jahr in den Niederlanden den „Dame-Preis“, der als die wichtigste Auszeichnung für Bootsausrüstung gilt. Im Februar diesen Jahres erhielt das System auf der Miami Boat Show zudem einen Innovationspreis.

Das „Deep Blue“-System ist ein elektrisches Antriebssystem, bestehend aus Außenborder, Lithium-Batterien, Bordcomputer mit Display, Gashebel und Ladegerät. Es ist der erste industriell entwickelte Elektro-Antrieb für Boote in der Leistungsklasse bis 80 PS und wird damit für Bootsbesitzer interessant, die elektrisch schnellere Yachten über das Wasser bewegen wollen.

Die Idee hat Potential: Elektromotoren sind leise, leiten keine Abgase ins Wasser und können mit regenerativen Energien betrieben werden. Dafür ist das „Deep Blue“-System aber teurer als ein vergleichbar starker Benzinmotor: Ohne Batterien kostet das Antriebssystem mit Außenborder, Ladegerät, Bordcomputer, Display, Gashebel und Verkabelung rund 18.000 Euro. Die Kosten für die Batteriebank sind abhängig von der Anzahl der Batterien und von der Kapazität in Kilowattstunden. Eine 26 kWh Batteriebank kostet 29.800 Euro. Im Betrieb kommen Ladekosten hinzu, die für rund 200 Aufladungen pro Jahr bei 1000 Euro liegen.

Dafür zählt zum Antrieb ein ausgeklügeltes Navigationssystem: So werden Informationen zu GPS-basierter Reichweite, Geschwindigkeit über Grund oder Batterieladestatus zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus kann der Bordcomputer verschiedene Zielorte berücksichtigen, für die er Infos zu Reichweite, Entfernung und Ankunftszeit liefert. Mehr Infos unter www.torqeedo.com

kle