Weltpremiere in Genf
Aus europäischem Blickwinkel hingegen bedeutet es das Eingeständnis, beim Übergang vom Dach zum Kofferraum keine eigene Lösung gefunden zu haben. Fakt ist: Der doppelte Knick formt nun die hinteren Fenster des neuen Mercedes C-Klasse Coupés, das beim Genfer Automobilsalon in der kommenden Woche seine Weltpremiere feiert.
Doch der "Hofmeister-Knick" ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit, die die zulassungsstärksten Konkurrenten im deutschen Premium-Segment bei ihrer Präsentation in der Schweiz verbindet. Dafür zeigt sich Mercedes wie BMW zu unterschiedlich: Während die einen hauptsächlich auf neue Serienmodelle setzen, versuchen die anderen durch technische Innovationen das Publikum zu begeistern. Gemessen am Auftritt in Genf scheint sich Mercedes in der traditionellen Rolle des Bodenständigen wohlzufühlen, während BMW die des sportlich-avantgardistischen Gegenparts übernimmt, der auf der Automesse erneut mehr mit technischen Features und Innovationen zu überzeugen sucht.
Mit dem C-Klasse Coupé versucht Mercedes hingegen an die einstmals erfolgreichen Zeiten des CLK anzuschließen und die Coupés den Baureihen wieder eindeutiger zuzuordnen. Der seit 1997 gebaute CLK basierte auf der Baureihe der mittleren, also der C-Klasse. Seine äußere Form hingegen lehnte sich in der ersten Generation an die E-Klasse mit ihrem "Vier-Augen-Gesicht" an.
Seit 2009 gibt es wieder ein eigenes "E-Klasse Coupé". Die Produktion des weitgehend glücklosen CLC hingegen, des seit 2000 ausschließlich in Brasilien auf Basis der C-Klasse hergestellten Sportcoupés, wurde nach 370 000 Stück eingestellt.
Das neue Mercedes Coupé, das gemeinsam in Genf mit der Limousine und dem Kombi der C-Klasse (ab März 2011 im Handel) sowie des sportlichen Roadsters SLK im Rampenlicht steht, soll nun wieder für bedeutend mehr Eindeutigkeit im jeweiligen Segment sorgen. Es richtet sich an ein jüngeres und weniger solventes Publikum als das E-Klasse Coupé.
"Mit dieser Erweiterung des C-Klasse-Portfolios richten wir uns ganz bewusst auch an neue Kunden", beschreibt Joachim Schmidt, Vertriebs- und Marketingchef bei Daimler, die Positionierung des C-Klasse Coupés. Das neue Modell sei jugendlich, stilvoll und dynamisch. "Damit machen wir ein Angebot zu einem besonders sportlichen Einstieg in die Coupé-Welt von Mercedes-Benz."
Keine neuen Assistenzsysteme
Doch die gediegene Form des C-Klasse Coupés reicht den Kunden zwischen 35 und 45 Jahren, auf die Mercedes nach eigenen Angaben zielt, kaum aus. Die technikverliebte ehemalige "Generation Golf" sucht nach passenden Gefährten, die gegenüber ihren leistungsstarken Smartphones nicht schon direkt nach dem Kauf hoffnungslos veraltet aussehen. Zur Markteinführung des Mercedes Coupés im Juni wird es deshalb alles an technischen Highlights und Assistenzfunktionen geben, was auch in den Daimler-Klassen darüber angeboten wird - nur ganz Neues ist nicht mit an Bord.
Wer inhaltliche Überraschungen auf der Messe in Genf sucht, ist beim Konkurrenten BMW eindeutig besser aufgehoben - auch wenn neue Serienfahrzeuge bei den Bayern derzeit nicht auf dem Plan stehen. Die Weltpremiere hat etwa das BMW 6er Cabrio schon seit Januar auf der Auto Show in Detroit hinter sich. Immerhin kommt es nach der Messe in Genf mit einer Start-Stopp-Technik in Verbindung mit dem Automatikgetriebe.
Doch auch ohne Modell-Premieren kann sich der Auftritt von BMW sehen lassen. Im X1 Drive wird erstmals ein Vierzylindermotor mit "TwinPower Turbo" vorgestellt. Die neue Motorgeneration soll die Kraft von Sechszylinder-Aggregaten mit dem Verbrauch der Vierzylinder kombinieren - 245 PS, von 0 auf 100 km/h in 6,1 Sekunden bei einem Verbrauch von 7,9 l/100 km.
Nur gut, dass Mercedes auch den neuen Roadster SLK in Genf stehen hat. So bleibt die Studie der Bayern den Träumern vorbehalten, während der SLK auch gekauft werden kann.

