Für Autofans ist es ist schwer, sich der Faszination von Oldtimern zu entziehen. Noch schwieriger wird es, wenn der Hersteller vom Markt verschwunden ist. DKW ist so eine Marke, und ihre Produkte werden von Sammlern gehütet wie Monets oder Rembrandts. Eine Auswahl der seltensten DKW-Klassiker ist ab morgen im Automobil-Forum in Berlin an der Straße Unter den Linden zu sehen.

Der gewaltige Komplex an der Ecke Friedrichstraße ist Auto-Liebhabern bereits als Dauerschauplatz erlesener Fahrzeug-Kultur bekannt. Bentley und Bugatti sind klangvolle Herstellernamen, deren aktuelle Produkte man dort bestaunen kann.

Das Kürzel DKW rührt ursprünglich von einem Dampfkraftwagen her, den Firmenchef DKW-Gründer Jorgen Skafke Rasmussen zusammen mit seinem Kompagnon zwischen 1916 und 1921 bauen wollte. Übrig blieben nur die drei Buchstaben, denn das Projekt wurde nie verwirklicht. Im Jahr 1932 entstand durch Fusion mit Audi, Horch und Wanderer die Auto Union. Die Marke mit den charakteristischen vier Ringen wurde zu Deutschlands zweitgrößtem Autoproduzenten vor dem Zweiten Weltkrieg, die aber unter dem Namen DKW weiter Fahrzeuge produzierte. Einige der jetzt gezeigten Raritäten im Automobilforum sind noch nie außerhalb des DKW-Museums in Bergen in Holland ausgestellt worden. Die private Sammlung entstand auf Initiative eines Autonarren, der im Laufe der Jahre seltene Exemplare der Marke DKW aus der Pionierzeit bis zur Nachkriegszeit restaurierte und mit einigen von ihnen an renommierten Rallyes teilnahm - unter anderem an der Rallye Amsterdam-Moskau-Kiew-Budapest-Wien-Amsterdam im Jahr 1991 und an der Amerika-Rallye Washington-Chicago-Los Angeles 1993.

Trotz der nachgewiesenen Solidität der Produkte kann DKW getrost als trauriger Fall der Automobilgeschichte angesehen werden. So kennt den Namen heute kaum noch jemand, auch ist der Beitrag der Firma zur Automobilentwicklung fast in Vergessenheit geraten. Die Einführung des Frontantriebs revolutionierte in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts den Pkw-Bau und DKW stand an der Spitze der technischen Entwicklung. Zur Internationalen Automobilausstellung in Berlin im Februar 1931 stellten die Zschopauer Motorenwerke den DKW Front vor. Mit 1685 Reichsmark war es das preiswerteste deutsche Auto und nahm damit den Status eines "Volkswagens" vorweg. Diese Bezeichnung tauchte damals auch in der Fachpresse auf, lange bevor an den von Ferdinand Porsche maßgeblich entwickelten "Käfer" überhaupt zu denken war.

Das erschwingliche Fortbewegungsmittel schien die passende Antwort auf die wirtschaftlich schlechten Zeiten zu Beginn der 30er Jahre. DKW war der erste Hersteller, der den neuen Frontantrieb in Großserie einsetzte. Selbst in den USA stieß der kleine DKW auf Interesse. Sogar die New York Times widmete dem in Berlin ausgestellten Wagen seinerzeit einen ausführlichen Artikel. Der zweisitzige Roadster des F1 wurde von einem Zweizylinder-Zweitaktmotor angetrieben. Der Hubraum des ursprünglich für ein Motorrad konstruierten Aggregats betrug 584 cm 3 und die Leistung 18 PS. Die Karosserie stammte aus dem Werk von Slaby + Behringer in Berlin-Spandau. Dank des geringen Leergewichts waren immerhin 70 km/h möglich.

Zu den weiteren Kostbarkeiten der Ausstellung zählen der DKW F4 Roadster mit Ihle-Karosserie aus dem Jahr 1938, ein Sportcabriolet DKW F5 mit Hornig-Karosserie, dazu mehrere F7 und F8-Modelle. Die maritime Verwendung von DKW-Motoren knüpft eine weitere Verbindung der Marke zu Berlin. Ein DKW F8-Motor ist das Herzstück eines Monsun Touren-Sportbootes, das jetzt ebenfalls ausgestellt ist. Gebaut wurde es von der Firma "Original Schneider" in den Jahren 1956 bis 1963 in Berlin-Köpenick.

Auch in der Geschichte des geteilten Deutschlands nimmt DKW einen besonderen Platz ein. Ein noch zu Beginn der 40er Jahre entwickelter DKW Prototyp spielte nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle bei Motorisierung in beiden deutschen Staaten. Er ging als DKW F89 mit geändertem Zwei-Zylinder-Motor in der Bundesrepublik und als DKW F9 mit Drei-Zylinder-Motor in der DDR in Serienproduktion.

Bei freiem Eintritt ist die Ausstellung, die auch originale Werbeplakate aus der damaligen Zeit umfasst, bis zum 29. April zu sehen. Das Automobil Forum befindet sich Unter den Linden 21 (Ecke Friedrichstraße), die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr, Sa./So. und feiertags von 10 bis 18 Uhr.