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Anti-Korruptions-Projekt: Keiner ist korrupter als Bolsonaro

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Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, wurde zur "korruptesten Person des Jahres 2020" gekürt.

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, wurde zur "korruptesten Person des Jahres 2020" gekürt.

Foto: dpa

Jedes Jahr benennt ein internationales Journalisten-Netzwerk die korrupteste Person des Jahres. Der Preisträger 2020: Jair Bolsonaro.

Maryland. Das Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) hat wie jedes Jahr die “Person des Jahres” ernannt. Der jährlich vergebene Negativpreis des internationalen Journalisten-Netzwerkes “würdigt” die Person, die “weltweit das meiste für die Förderung von organisierter Kriminalität und Korruption getan hat.”

Dieses Jahr ging der Preis des OCCRP nach Brasilien. Präsident Jair Bolsonaro setzte sich dabei gegen US-Präsident Donald Trump und das türkische Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan durch.

Alle Nominierten sind Populisten

“Populismus ist dieses Jahr ein zentrales Thema”, erklärt Louise Shelley. Sie ist Direktorin des Transnational Crime and Corruption Center (TraCCC) und saß mit im Preiskomitee. “Alle Finalisten sind Populisten, die ihrem Land, ihrer Region und der ganzen Welt großen Schaden zufügen. Leider werden sie von vielen Menschen unterstützt - der Kern des Populismus”.

Der Rechtsextremist Jair Bolsonaro wurde 2018 bei den brasilianischen Präsidentschaftswahlen gewählt, weil er mit einem strammen Anti-Korruptions-Programm antrat - das er nach der Wahl allerdings sofort mit der Auswahl seiner Minister und Berater konterkarierte. Lesen Sie auch: Politiker versteckt veruntreutes Geld in Unterhose

Bolsonaro umgibt sich mit korrupten Menschen

Auch deshalb ist er nun “Person des Jahres” des OCCRP. In der Begründung der Organisation heißt es, dass er mit dem Versprechen an die Macht gekommen sei, die Korruption zu bekämpfen. Seit seinem Amtsantritt umgebe er sich allerdings nicht nur mit korrupten Menschen, sondern beschuldige auch andere fälschlicherweise der Korruption.

“Bolsonaros Familie sowie sein innerster Kreis scheinen in eine laufende kriminelle Verschwörung involviert zu sein und werden regelmäßig beschuldigt, sich auf Kosten des Volkes zu bereichern”, kommentiert Drew Sullivan vom OCCRP die Preisverleihung. “Das ist die Schulbuch-Definition einer kriminellen Vereinigung.” Auch interessant: Korruption kostet deutsche Wirtschaft 400 Milliarden Euro

Bolsonaro versuchte, Ermittlungen gegen Sohn zu verhindern

Bolsonaro nutzt vor allem das kriminelle Netzwerk seines Sohnes Flavio aus, der zur Zeit in einen handfesten Geldwäsche-Skandal verwickelt sein soll und außerdem Verbindungen zu den berüchtigten Todesschwadronen aus Rio de Janeiro haben soll. Diese kontrollieren Teile von Rio de Janeiro und sollen eine schwarze LGBT-Abgeordnete in Rios Stadtrat ermordet haben.

Ermittlungen gegen seinen Sohn soll Bolsonaro laut OCCRP und dem britischen “Guardian” unterbunden haben, indem er den Chef der Bundespolizei austauschen ließ.

Vorgänger von Bolsonaro: Putin, Maduro, Duterte

Der Negativpreis wird seit 2012 jährlich vom OCCRP vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der russische Präsident Wladimir Putin, das rumänische Parlament und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Lesen Sie auch: Fall Nawalny: Im Zweifel schreckt Putin vor nichts zurück

Das OCCRP ist eine der weltweit größten unabhängigen Plattformen für investigativen Journalismus und veröffentlicht jährlich etwa 150 Artikel, in denen es den korrupten Machenschaften von Politikerinnen und Politikern aus aller Welt auf den Grund geht.

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