Phänomen

Der krebskranke Wolfgang Bosbach talkt auf allen Kanälen

Der Fall Edathy hat den Vorsitzenden des Innenausschusses zum Dauer-Gesprächspartner der Medien gemacht. Der schwer kranke CDU-Politiker schont sich nicht. Weil die Politik sein Lebenselixier ist.

Foto: picture alliance / pa/dpa/Paul Zinken

Wer am Mittwoch nach „Anne Will“ in der ARD ins Bett gegangen war, um sich am nächsten Morgen mit dem Deutschlandfunk wecken zu lassen, der hätte es eigentlich ahnen müssen. Denn natürlich war es wieder Wolfgang Bosbach, der in diesen Tagen allzeit präsente Vorsitzende des Innenausschusses, der da den Hörern die neuen Wendungen in der Affäre Edathy erläuterte.

Wolfgang Bosbach kann nicht Nein sagen

Trotz seiner schweren Prostata-Erkrankung leistet der beliebte CDU-Politiker aus Bergisch-Gladbach ein Mammutprogramm an Medienauftritten ab, das seinesgleichen sucht. Alle wollen sie ihn haben: Günther Jauch, gleich im Anschluss die Tagesthemen, dann das Morgenmagazin, N-24 – und wenn Zeitungsjournalisten anrufen, ist er natürlich auch prompt zur Stelle. Eigentlich war das bei Bosbach schon immer so. Er kann einfach nicht Nein sagen, wenn man nach ihm ruft.

Seine Handynummer gehört unter den Parlamentskorrespondenten im Regierungsviertel zu den bekanntesten, und selbst im Urlaub auf Gran Canaria war und ist er immer erreichbar. Erschwerend hinzu kommt gerade, dass Bosbach als Ausschusschef persönlich tatsächlich zuständig ist für die Aufklärung der Krise, das lässt er sich nicht nehmen. Und mit Hans-Peter Friedrich (CSU), dem ersten politischen Opfer der Krise, ist er befreundet. Bosbach sagt selbst, dass er für Friedrich, der „ein hochanständiger Mensch“ sei, kämpfen will.

Energisch und gut gelaunt

Das sind ehrenvolle Motive, aber doch auch nur die halbe Wahrheit. Man kann sagen, dass sich Wolfgang Bosbach trotz – oder besser: wegen – seiner als unheilbar geltenden Krankheit nicht schont. Natürlich, die Therapie schwächt ihn, sie hat Nebenwirkungen. Aber er sagt, er hat keine Schmerzen. Und die Krankheit ist für ihn als gläubigen Christen, „das Paket, das ich zu tragen habe“. Nach menschlichem Ermessen sei nicht damit zu rechnen, dass er in den nächsten drei oder vier Jahren an so großen Beschwerden leide, „dass ich mein Mandat nicht mehr mit der ganzen Kraft ausfüllen könnte“. Auf diese Idee käme auch kaum einer, der ihn so energisch und gut gelaunt im TV talken sieht.

Die Politik ist im buchstäblichen Sinne Wolfgang Bosbachs Lebenselixier, aber er glaubt ohnehin daran, „dass der Tod nicht das letzte Wort ist“. So Gott will, werden die Deutschen also noch eine ganze Weile morgens mit seiner Stimme im Radio aufwachen. Ob Wolfgang Bosbach ahnt, wie viel Mut er damit anderen Menschen macht, die ähnlich schwere Krankheiten haben?