Kabinett

Das sind Merkels Minister in der großen Koalition

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Florian Kain

Foto: Michael Kappeler / dpa

CDU, CSU und SPD haben am Sonntagabend Namen verkündet, die zum großen Teil aber auch schon zuvor die Runde gemacht hatten. Die Berliner Morgenpost stellt alle neuen Regierungsmitglieder vor.

Der Erste, der am Sonntagmittag ganz offiziell die Namen seiner Minister herausrückte, war SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer ließen sich etwas mehr Zeit: Um 18.15 Uhr gaben beide gleichzeitig Pressekonferenzen, um die Namen jener zu verkünden, die zum großen Teil aber auch schon zuvor die Runde gemacht hatten. Die Berliner Morgenpost stellt alle neuen Regierungsmitglieder vor:

Angela Merkel (59, CDU)

Wenn die CDU-Parteivorsitzende an diesem Dienstag im Bundestag zum dritten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt wird, dann steht sie im Zenit ihrer Macht. Ihre wichtigste Aufgabe bleibt die Bewältigung der europäischen Finanzkrise – hier legt ihr der Koalitionsvertrag keinerlei Fesseln an. Über ihrer Amtszeit schwebt die unbeantwortete Frage, ob sie nach dieser Legislatur ein weiteres Mal antreten will. Ihre Leute halten das genauso für möglich wie das Gegenteil. Die Physikerin betont ja gerne, dass sie vor ihrer Zeit in der aktive Politik ja schon mal andere Dinge ausprobiert hat. Dass sie die vier Jahre ausfüllen will, ist jedenfalls sicher.

Sigmar Gabriel (54, SPD)

Der SPD-Vorsitzende, der im neuen Kabinett als Vizekanzler und Minister für Wirtschaft und Energie eine der wichtigsten Rollen übernimmt, ist ein politisches Stehaufmännchen: Als Ex-Pop-Beauftragter seiner Partei war er nun auf SPD-Seite der Architekt der großen Koalition. Wie sich die Zeiten ändern können! Wenn er jetzt die Energiewende erfolgreich managt, dürfte ihm die Kanzlerkandidatur 2017 kaum zu nehmen sein, wenn er sie dann will.

Wolfgang Schäuble (71, CDU)

Schon in den Koalitionsverhandlungen konnte jeder sehen, welches Pfund die Union mit ihrem Finanzminister hat. Sein Wort wird auch in der SPD nicht infrage gestellt, er hat überzogene Ausgabenwünsche des kleineren Koalitionspartners quasi im Alleingang vom Tisch gewischt. Der Umstand, dass Schäuble in der Politik nichts mehr werden will, ja fast schon vor der Heiligsprechung steht, macht ihn unabhängig – und stark.

Frank-Walter Steinmeier (57, SPD)

Vier Jahre hat er als Vorsitzender die Zügel in der SPD-Fraktion zusammengehalten. Jetzt kommt er als Außenminister zurück auf ihm wohl bekanntes Terrain. Schon in der großen Koalition 2005 bis 2009 machte Frank-Walter Steinmeier hier eine gute Figur. Der promovierte Jurist aus Brakelsiek wird auch in der Union geschätzt. Seinen Wahlkreis gewann er als einziger SPD-Kandidat aus Brandenburg direkt. Die vergeigte Kanzlerkandidatur 2009 mit dem schlechtesten Bundestagswahlergebnis seit 1949 scheint lange her.

Andrea Nahles (43, SPD)

Was hat sie nicht alles aushalten müssen auf ihrer Ochsentour durch die Partei – zuletzt wurde Andrea Nahles, die in der SPD nicht von allen geliebt, aber respektiert wird, mit einem mauen Ergebnis als Generalsekretärin bestätigt. In der Parteizentrale lieferte sich die Frau vom linken Flügel manche Auseinandersetzung mit Platzhirsch Sigmar Gabriel. Es hat sich gelohnt: Als Arbeitsministerin ist Andrea Nahles im Zentrum der Macht angekommen. Dass sie vom Thema viel versteht, zeigte sich schon in den Koalitionsverhandlungen, in denen Ursula von der Leyen ihre Sparringspartnerin war. Beide kamen überraschend schnell zu guten Ergebnissen.

Hans-Peter Friedrich (56, CSU)

Lange hatte der feinsinnige Bayer mit dem Amt des Innenministers gefremdelt, dann wollte er es nicht mehr eintauschen. Gut möglich, dass die unerquickliche NSA-Affäre ihm den Abschied nun aber doch erleichtert. Weil die CSU das Innenministerium abgeben musste, hat er eh keine andere Wahl. Doch auch als Landwirtschaftsminister bleibt Hans-Peter Friedrich wichtig für die Partei, die traditionell viele Wähler unter den Bauern hat.

Ursula von der Leyen (55, CDU)

Als Verteidigungsministerin kann sich die professionelle Polit-Managerin endgültig als potenzielle Merkel-Nachfolgerin profilieren. Zig Ministerium kennt sie inzwischen von innen – die studierte Ärztin scheint einfach universal einsetzbar zu sein. Das qualifiziert sie auch für eine übergeordnete Aufgabe. Ob von der Leyen in ihrer neuen Rollen in der CDU-Bundestagsfraktion beliebter wird, bleibt aber abzuwarten.

Heiko Maas (47, SPD)

Als saarländischer Vize-Regierungschef kennt der Parteilinke die Mechanismen in einer großen Koalition. Eine Überraschung ist er als Minister für Verbraucherschutz und Justiz dennoch. Aber er hat eben einen guten Draht zu Sigmar Gabriel. Jetzt kann sich der verheiratete Familienvater auf der Berliner Bühne ausprobieren.

Hermann Gröhe (53, CDU)

Mit dem scheidenden CDU-Generalsekretär wird ein erfolgreicher Wahlkampfmanager für seine Mühen belohnt. Bislang war nicht aufgefallen, dass er sich für dieses Politikfeld besonders interessiert. Aber als Profi kann sich Gröhe auch als Gesundheitsminister zurechtfinden. Das ist das Amt, in dem man, wie Ulla Schmidt einmal sagte, „immer die Torte im Gesicht“ hat.

Manuela Schwesig (39, SPD)

Die Parteistrategen hatten den Aufstieg von Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin minutiös geplant. Jung und selbstbewusst wie sie ist, soll die stellvertretende Vorsitzende als Familienministerin die langen Jahre, in denen mit Ursula von der Leyen und Kristina Schröder CDU-Frauen in Deutschland Familienpolitik geprägt haben, vergessen machen. An mangelnden Fähigkeiten zur Selbstvermarktung dürfte dieses Projekt nicht scheitern. Aber viele wichtige Themen wie Elterngeld und Kitaplätze sind bereits abgeräumt.

Alexander Dobrindt (43, CSU)

Er ist nach Karl-Theodor zu Guttenberg so etwas wie der neue Shootingstar der Bayern-Partei. Und wird von Horst Seehofer jetzt für sein erfolgreiches Wahlkampfmanagement mit dem Posten des Ministers für Verkehr und digitale Infrastruktur belohnt. Dass dafür Parteivize Peter Ramsauer weichen muss, zeigt, welch große Stücke der Vorsitzende auf seinen (Noch-)Generalsekretär hält. Dobrindt ist bekannt für seine kernigen Sprüche, die er in seiner alten Funktion liefern musste. Aber die, die ihn gut kennen, wissen, dass er mehr kann, als den politischen Gegner zu provozieren. Er muss nun die von der CSU in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzte Pkw-Maut einführen. Das wird kein leichtes Unterfangen, aber Seehofer ist optimistisch: „Ein Alexander Dobrindt scheitert nicht“, sagte er am Sonntag.

Barbara Hendricks (61, SPD)

Die Berufung der intern einflussreichen, aber öffentlich eher unbekannten SPD-Schatzmeisterin zur neuen Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zeigt, wie wichtig in Parteien der Regionalproporz ist. Hendricks wollte dieses Amt dem Vernehmen nach unbedingt. Sie stammt aus dem mitgliederstarken Landesverband Nordrhein-Westfalen, gilt als berliner Wunschkabinettskandidatin der dort residierenden Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Die promovierte Gymnasiallehrerin wird sich nun vertraut machen müssen mit den Tücken der Klimapolitik. Das haben vor ihr aber auch schon andere geschafft, zuletzt Peter Altmaier.

Johanna Wanka (62, CDU)

Nach Annette Schavans Rücktritt hatte sie nur neun Monate Zeit, sich als kurzerhand eingesprungene Nachfolgerin Respekt und das Vertrauen der Kanzlerin zu erarbeiten. Das scheint geglückt zu sein: Johanna Wanka bleibt Bildungsministerin, obwohl ihr Amt in der allgemeinen Verteil-Masse war. Vom Fach ist sie jedenfalls: Wanka war Bildungsministerin in Brandenburg und – bis zur Wahlniederlage der Landes-CDU – in Niedersachsen. Jetzt kann sie völlig unverhofft noch mal groß aufspielen. Das wäre ihr als neue Kulturstaatsministerin, als die sie am Sonnabend noch galt, vielleicht etwas schwerer gefallen. Der Koalitionsvertrag gibt Wanka nicht viel Verbindliches mit auf den Weg.

Gerd Müller (58, CSU)

In der CSU kennen sie ihn alle – er war ja schon so vieles: JU-Landeschef in Bayern, Zweiter Bürgermeister und Kreisrat, Europa-Abgeordneter, seit 1994 Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Kempten, Lindau und Oberallgäu. Und ab 2005 wirkte der Vater von zwei Kindern dann als Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium. Dort hatte er bereits mit entwicklungspolitischen Aufgaben zu tun, zum Beispiel in der ressortübergreifenden Zusammenarbeit beim Thema Welternährung. Jetzt holt ihn Horst Seehofer als neuen Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in die allererste Reihe. Müller ist Doktor der Philosophie und Honorarprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden.

Thomas de Maizière (59, CDU)

In der Drohnen-Affäre hat das Image des bisherigen Verteidigungsministers als professioneller Politmanager gelitten. Das hing auch mit einem als unglücklich aufgefassten Kommunikationsstil zusammen. Die Kanzlerin nimmt ihren langjährigen Weggefährten mit der Ernennung zum Innenminister nun im wahrsten Sinne des Wortes aus der Schusslinie. Es bleibt abzuwarten, ob er sich in diesem Amt, das er schon einmal innehatte, so weit von dem Theater um die Euro-Hawks erholt, dass er eines Tages doch wieder als möglicher Nachfolger von Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt. Ihr Vertrauen jedenfalls scheint ihm sicher.