Warnung

Crystal Meth auf dem Weg zur Hauptstadt-Partydroge

Bisher galt das extrem gefährliche Rauschgift vor allem in Bayern und Sachsen als Problem. Nun erreicht die Droge auch Berlin.

Foto: Arno Burgi / dpa

Die gefährliche Droge Crystal Meth hat Berlin erreicht. "Es ist hier die klassische Partydroge. Sie schwappt zu uns herüber und ist bereits im Umlauf", warnt Norbert Scheithauer vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg.

Bei jungen Menschen in der Hauptstadt ist kristallines Methamphetamin bereits die beliebteste Partydroge nach Amphetaminen und Ecstasy. Das ergab eine Umfrage der Berliner Fachstelle für Suchtprävention aus dem vergangenen Herbst. Die Berliner Polizei beobachtet die Situation mit Sorge. "Wir müssen sehr aufmerksam sein, schließlich ist Berlin eine Partyhochburg", sagt Polizeidirektor Olaf Schremm vom Rauschgiftdezernat beim LKA.

Auch bundesweit ist die Situation alarmierend: Gab es 2009 laut Bundeskriminalamt 364 Crystal-Konsumenten, die erstmals bei der Polizei auffällig wurden, waren es 2011 bereits 1693. Und die neuesten Zahlen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, weisen für das vergangene Jahr 2556 erstmals Auffällige aus. Dies ist ein Anstieg von 51 Prozent.

Zum Vorjahr sind Fälle um 66 Prozent gestiegen

Und die Dunkelziffer liegt laut Experten noch viel höher. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), und BKA-Präsident Jörg Ziercke wollen am Donnerstag in Berlin aktuelle Daten zur Rauschgiftkriminalität und zu den Drogentoten vorstellen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden im vergangenen Jahr in Deutschland in 3512 Fällen mehr als 75 Kilogramm kristallines Methamphetamin sichergestellt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fallzahl damit um 66 Prozent gestiegen, die beschlagnahmte Gesamtmenge sogar um 88Prozent.

Bayern und Sachsen sind besonders betroffen von der Droge, die zumeist aus dem Nachbarland Tschechien eingeführt wird. In Sachsen fanden Polizei und Zoll im vergangenen Jahr in 1526 Fällen Crystal. Das bedeutet ein Plus von 127Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Bayern schlugen die Ermittler 1292 Mal zu– ein Anstieg um 25 Prozent.

Auch bei der Berliner Polizei verzeichnet man eine Zunahme: Die Menge von sichergestelltem Crystal Meth stieg 2012 von zehn Gramm auf 1,3 Kilogramm an. Im Vergleich zu Heroin und Kokain ist das wenig, andererseits kann man mit entsprechenden Mitteln bereits aus 0,4Gramm Crystal Meth 40 Konsumeinheiten gewinnen.

Rapider Anstieg von beschlagnahmten Amphetaminen

Das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg weist in der Jahresbilanz 2012 einen rapiden Anstieg der Menge von beschlagnahmten Amphetaminen aus: "Die Sicherstellungsmenge von 108Kilogramm Amphetamin deutet auf einen verbreiteten Konsum der weitläufigen Partydroge Crystal Meth." Zum Vergleich: 2011 hatte der Zoll in Berlin-Brandenburg insgesamt 6,5 Kilogramm Amphetamine sicherstellen können.

Mittlerweile wird Crystal Meth aber nicht mehr allein als regionales Problem Sachsens und Bayerns gesehen. "Wir werden mit Crystal überschwemmt", sagt der Präsident des Landeskriminalamtes(LKA) Sachsen, Jörg Michaelis. Das Rauschgift sei ein "flächendeckendes Problem und nicht nur auf ein einzelnes Bundesland beschränkt". Beim LKA in Baden-Württemberg heißt es, Crystal breite sich "auch zu uns aus". In Thüringen steht Crystal Meth laut LKA bei der Menge der sichergestellten Ware bereits hinter Cannabisprodukten.

Das Rauschgift, dessen Name sich von N-Methylamphetamin ableitet und das zunächst aussieht wie Kandiszucker, etablierte sich in den 90er-Jahren in den USA. Es ist preiswert, macht sehr schnell abhängig und ist sehr gefährlich für die Gesundheit. Für die Nervenzellen ist Crystal hochgiftig. Vor allem der Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Das Bundesinnenministerium versucht konsequent gegen das Rauschgift vorzugehen. Innenminister Hans-Peter Friedrich(CSU), der aus dem bayerischen Hof kommt und das Problem damit gut kennt, setzt sich dafür ein, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden auf deutscher und auf tschechischer Seite gibt.