Fahrpreiserhöhung

Ramsauer warnt vor teuren Bahn-Tickets wegen Stuttgart 21

Die Bahn will trotz explodierender Kosten den Tiefbahnhof weiterbauen und Baden-Württemberg sowie die Stadt Stuttgart an den Mehrkosten beteiligen. Beide weigern sich. Die Zeche könnten Kunden zahlen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hält höhere Ticketpreise bei der Bahn für möglich, sollte sich das Land Baden-Württemberg nicht an den Mehrkosten für Stuttgart 21 beteiligen. „Bahnfahren darf nicht teurer werden, weil sich ein einzelnes Land seiner Verantwortung entzieht“, sagte Ramsauer laut „Bild“-Zeitung. Auch der Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), sagte dem Blatt: „Mittelfristig werden Bahnkunden S21 mit steigenden Ticketpreisen zahlen.“

Der Bahn-Aufsichtsrat hatte trotz Kostenexplosion für den Weiterbau des Tiefbahnhofs gestimmt. Der Finanzrahmen wurde um 2 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro angehoben. Konzernchef Rüdiger Grube kündigte Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart über eine Aufteilung der Zusatzkosten an. Allerdings hatte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer schon Mitte Februar vergeblich bei den Projektpartnern Land und Stadt angeklopft. Der Bund selbst hatte angekündigt, seinen Beitrag von insgesamt 1,2 Milliarden Euro nicht aufzustocken.

Auch Fahrgastverband warnt

Der Steuerzahlerbund begrüßte die Haltung der Landesregierung, sich nicht an zusätzlichen Kosten für Stuttgart 21 zu beteiligen. „Bei der bisher zugesagten Finanzierungsbeteiligung handelt es sich um eine freiwilligen Beitrag des Landes. Das Projekt ist eigentlich Angelegenheit der Bahn beziehungsweise des Bundes“, hieß es dort.

Dagegen fordern Industrie und Handel die Landesregierung auf, ihre Blockade gegen Stuttgart 21 aufzugeben. Grün-Rot solle damit aufhören, ständig Haare in der Suppe zu suchen, sagte der Chef des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Kulitz. Das Bauprojekt müsse nun professionell durchgezogen werden. Dagegen warnte der Fahrgastverband Pro Bahn vor Verschlechterungen vor allem im Nahverkehr. „Es ist zu befürchten, dass der Konzern über erhöhte Stationspreise versucht, die Zusatzkosten hereinzuholen“, sagte Verbandssprecher Matthias Oomen.