Doktortitel

Erster SPD-Politiker steht unter Plagiatsverdacht

Die TU Dortmund ermittelt, weil Staatssekretär Marc Eumann bei sich selbst abgeschrieben haben soll. Derweil schwinden die Chancen der Liberalen Koch-Mehrin, ihren Doktortitel vor Gericht zurückzubekommen.

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Aus der Traum? Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin muss sich möglicherweise an den Gedanken gewöhnen, dass sie ihren verloren gegangenen Doktortitel auf dem Rechtsweg nicht zurückbekommt. Auf diesen Schluss deuten die Äußerungen der Vorsitzenden Richterin am Verwaltungsgericht Karlsruhe hin, das sich am Montag erneut mit der Klage der Europa-Abgeordneten gegen die Aberkennung ihres Doktorgrades durch die Universität Heidelberg beschäftigte.

Verfahrensfehler im Fall von Silvana Koch-Mehrin „nicht relevant“

Die von Koch-Mehrins Anwälten ins Feld geführten angeblichen Verfahrensfehler des Promotionsausschusses seien „nicht relevant“, deutete die Juristin in der mündlichen Verhandlung (Aktenzeichen: 7 K 3335/11) gleich mehrfach an. Hierbei ging es um die Frage, ob bei der Zusammensetzung des Promotionsrates, der über die Aberkennung des Doktorgrades entschieden hatte, formelle Fehler gemacht wurden. Die Verteidiger der Liberalen hatten unter anderem bemängelt, dass bei der Besetzung des Promotionsrates nicht wie eigentlich vorgeschrieben über jedes Mitglied einzeln, sondern nur „en bloque“ abgestimmt wurde. Das Gericht gab dazu den Hinweis, dass nach einer Grundsatzendscheidung des Verwaltungsgerichtshofes in Mannheim bei fehlerhaftem Zustandekommen eines Gremiums deswegen nicht auch seine Entscheidung falsch sein müsse.

Das Gericht vertagte sich am Ende erneut. Im Laufe der nächsten zwei Wochen wird über die Klage entschieden. Die frühere FDP-Spitzenpolitikerin, die sich nach dem Entzug ihres Doktortitels allein auf ihr Mandat im Europa-Parlament konzentriert, hatte ihren Doktorgrad im Jahr 2000 an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Heidelberger Universität erworben. Nachdem die Plagiate nachgewiesen worden waren, entschied der Promotionsausschuss der Hochschule im Juni 2011, ihr den Titel abzuerkennen.

Marc Eumann ist ein Vertrauter von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

So weit ist es im Fall des nordrhein-westfälischen Staatssekretärs Marc Eumann (SPD) noch nicht. Allerdings sieht sich der Vertraute der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ebenfalls dem Verdacht ausgesetzt, in seiner Doktorarbeit plagiiert zu haben – als erster Sozialdemokrat überhaupt. Die TU Dortmund prüft derzeit den Vorwurf, dass der Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in seiner Dissertationsschrift über die Geschichte der Nachrichtenagentur „Der Deutsche Presse-Dienst“ seitenweise bei sich selbst abgeschrieben hat, ohne dies ausreichend zu kennzeichnen. Konkret handelt es sich um Passagen aus seiner 20 Jahre zuvor im Bundesarchiv veröffentlichten Magisterarbeit zum selben Thema.

Uni-interne Ermittlungen

Ausgelöst hatte die Uni-internen Ermittlungen Eumanns Doktorvater Professor Horst Pöttker persönlich, nachdem eine kritische Rezension der Arbeit erschienen war. Pöttker alarmierte die zuständige Universitätskommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis. Diese geht nun dem Verdacht auf „illegitimen Erwerb“ eines akademischen Titels nach, weil Eumer nach den geltenden Regeln die Textstellen als Selbstzitate hätte kennzeichnen müssen. Auch im Literaturverzeichnis taucht die Magisterarbeit nicht auf. Eumann selbst wollte sich auf Morgenpost-Anfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern.

Zuletzt war die frühere Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) zurückgetreten, nachdem ihr die Uni Düsseldorf wegen vermeintlicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit den Titel entzogen hatte. Auch Schavan hat gegen diese Entscheidung Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht eingereicht.