Stasi-Verdacht

Linke kämpft nach Vorwürfen gegen Gysi um ihr Image

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Foto: Robert Schlesinger / dpa

Nicht einmal die gesamte Parteiführung wusste vom Verfahren gegen Gregor Gysi. Linke-Chefin Kipping spricht von einer Kampagne.

Gregor Gysi gab sich gelassen. Nur Stunden nachdem öffentlich geworden war, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen ihn ermittelt, trat der Linke-Fraktionschef bei einer Matinee im Deutschen Theater auf, den Arm bandagiert. Dort plauderte er locker mit der Medizinnobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard über Zebrafische, Embryologie und Frauenquoten.

Über die Ermittlungen gegen ihn verlor er kein Wort. Seither ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden. Der Grund: eine Operation an der Schulter aufgrund eines Skiunfalls.

Umso lauter melden sich andere zu Wort. Parteichefin Katja Kipping bezeichnete die neuerlichen Stasi-Vorwürfe als Kampagne gegen die Ostdeutschen insgesamt. Die Menschen im Osten würden „die Systematik hinter den Vorwürfen durchschauen“, sagte Kipping der „Thüringer Allgemeinen“. „Sie haben es einfach satt, dass ohne jede Ahnung vom Alltag in der DDR Urteile über ihr Leben gefällt werden.“

Die Vorwürfe gegen Gysi seien längst bekannt und widerlegt. „Hier werden Nebelkerzen geworfen, um unserer Partei im Wahlkampf zu schaden.“ Gysi habe nie geleugnet, dass er im Rahmen seiner Anwaltstätigkeit auch mit Vertretern der Staatssicherheit habe reden müssen. Dazu Kipping: „Ein Anwalt, der damals etwas für seine Mandanten herausholen wollte, konnte Gespräche mit staatlichen Stellen nicht verweigern.“

Kampf ums politische Überleben

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs einer falschen eidesstattlichen Versicherung gegen Gysi. In dieser geht es um die Frage, ob er vorsätzlich über Mandanten oder andere Personen an die Stasi berichtet hat.

Für die Linke geht es um weit mehr als den Ruf ihres Frontmannes Gysi, der sich bei der Bundestagswahl erneut um ein Mandat in Pankow bewirbt – es geht ums politische Überleben. Bei sechs bis sieben Prozent sehen Meinungsforscher die Partei derzeit in den Wahlprognosen. Und die Parteiführung weiß, dass das vermeintlich komfortable Pölsterchen, das sie von der Fünf-Prozent-Hürde trennt, schnell wieder dahinschmelzen kann. Etwa dann, wenn ihr wichtigster Mann im Wahlkampf ausfallen würde.

Ohne Gysi ist Spitzenteam stark geschwächt

Das achtköpfige Spitzenteam, das die Linke Ende Januar präsentierte, ist Camouflage. Es sollte den Eindruck abmildern, die Partei setze bei der Bundestagswahl auf eine One-Man-Show. Doch neben Gysi sind aus dem Team bundesweit nur Sahra Wagenknecht und Ex-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch bekannt. Um einen Wahlkampf allein zu stemmen, dafür würde auch ihre Prominenz bei Weitem nicht reichen.

Über die Ermittlungen gegen Gysi wusste nicht einmal die gesamte Führung Bescheid, bis diese am Sonntag in der Morgenpost enthüllt wurden. Nur enge Vertraute hätten seit Dezember Bescheid gewusst. „Darüber haben sich schon einige sehr gewundert“, sagt ein führender Linke-Funktionär. Offenbar sollte auch intern um jeden Preis der Eindruck vermieden werden, der Spitzenmann der Linken sei angeschlagen.

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